Zur minimalen Wechselseitigkeit der Schuldnerschaft zwischen Dritter Welt und Industrieländern

Auf ihrer 1964 in Genf abgehaltenen Tagung verabschiedete die United Nations Conference on Trade and Development (UNCTAD) generelle Prinzipien (E/CONF.46/141, Vol. I, Annex A.I.1) aus denen ich das Sechste herausgreife; es lautet:

Ein gutes Jahr später nahm eine von den Gremien der UNCTAD beauftragte Expertenkommission ihren Bericht mit dem Titel: International Monetary Issues and the Developing Countries (TD/B/32), an. In seinem Vorwort wird u. a. ausgeführt, was folgt:

Schon darin liegt eine Bestätigung dafür, dass dem im oben zitierten Prizip Nr. 6 erteilten Auftrag nicht Folge geleistet wurde. Im Gegenteil: Es kam zu weiterem Rückgang des (zahlenmäßigen, also beziffert wertmäßigen) Handelsvolumens der sich entwickelnden Länder und zu einem weiteren Schwinden deren Investitionskapazitäten. Dies kann nur bedeuten, dass die Preise für Rohstoffe aus den Entwicklungsländern immer mehr gedrückt wurden, während der Handel zwischen den Industrieländern immer mehr florierte.

Dies entspricht dem einführenden Absatz des genannten Experten-Berichtes, der da lautet:

Vor diesem, hier nur straff umrissenen, Hintergrund verabschiedete die UNGA ihre Resolution 2208(XXI), International monetary reform, in der es auch unter Bezugnahme auf den vorhin zitierten Expertenbericht u. a. heißt:

Ergebnis dieses angeregten Reformprozesses war die Board-Resolution 23-5 des IMF, mit welcher die IMF-Articles of agreement umfassend novelliert, insbesondere die Sonderziehungsrechte (special drawing rights; SDR) eingeführt wurden.

Dieses SDR-System wurde von Anfang an vollkommen missinterpretiert angewendet. So stellte sich die Praxis ein, dass einem Land gewährte SDRs im Rahmen eines rückzahlbaren Kredites zukamen; was im Übrigen bis heute so gepflogen wird. Doch dies ist nicht, was die Reform 1968 vorsah!

Diese war vielmehr darauf focussiert, den Entwickllungsländern ein nachhaltig wirksames Instrument zur Hand zu geben, die Folgen auszugleichen, welche das Jahrzehnte lange, oben im Experten-Bericht beschriebene unlautere Verhalten der Industrieländer nach sich gezogen hatte: Damit konnte somit nur gemeint sein, dass SDRs den sich entwickelnden Ländern gegen Entrichtung lediglich einer (vergleichsweise geringen) Gebühr ausgegeben wurden, damit sie diese bei den Industrieländern gegen Devisen eintauschen, und letztere diese SDRs sodann gegen Empfang einer (gleichen) Gebühr an den IMF zurückgeben könnten.

Im Ergebnis war damit ein System geschaffen worden, das den entwickelten Ländern einen Ausgleich an die sich entwickelnden Länder quasi ohne Gegenleistung auferlegte; was nur gerechtfertigt sein konnte, weil letztere solche Gegenleistung längst erbracht hatten.

Der Hochverrat hat nun dazu geführt, dass dieses einzigartige System unterlaufen und abermals zur noch weiteren Ausbeutung der Entwicklungsländer durch immer wieder erneuerte und so anwachsende Kredite führte.

http://www.presstv.com/Detail/2020/11/02/637742/Debt-repayment-or-COVID-relief-dilemma

Wenn nun also die Entwicklungsländer vor einem sogenannten Dilemma stehen, entweder ihre Kredite zurückzuzahlen, oder die notwendigen COVID 19-Maßnahmen zu finanzieren, dann ist dieses sehr leicht zu lösen, indem festgestellt wird, dass sie keine finanziellen Schulden mehr gegenüber dem IMF oder den Industrieländern haben.

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