Protocol against the Smuggling of Migrants by Land, Sea and Air, supplementing the United Nations Convention against Transnational Organized Crime

Am 15. November 2000, in ihrer 62. Plenarsitzung der 55. Tagung (A/55/PV.62) verabschiedete die Generalversammlung (GA) der Vereinten Nationen (VN) eine Resolution (A/RES/55/25)  mit welcher sie den Text u. a. des oben, im Titel dieses Beitrags genannten Protokolls annahm, der dieser Resolution als Anhang angeschlossen ist.

Das genannte Protokoll befasst sich mit dem so genannten smuggling of migrants, welches in deren Artikel 3 (a) wie folgt definiert wird:

(a) “Smuggling of migrants” shall mean the procurement, in order to obtain, directly or indirectly, a financial or other material benefit, of the illegal entry of a person into a State Party of which the person is not a national or a permanent resident;

[…].

Die Wendung in order to (um … zu) weist (insbesondere in strafrechtlichen Tatbeständen, zu deren Einrichtung Artikel 6 des genannten Protokolls seine Vertragsstaaten verpflichtet) auf eine Absicht hin, eine welche dem (inkriminierten bzw.) definitionsgemäßen Tun zugrunde liegen muss.

Der österreichische Gesetzgeber definiert die Absicht in § 5/2 ö StGB, wie folgt:

Der Täter handelt absichtlich, wenn es ihm darauf ankommt, den Umstand oder Erfolg zu verwirklichen, für den das Gesetz absichtliches Handeln voraussetzt.

Im konkreten Fall heißt dies, dass smuggling of migrants im Sinne des Protokolls nicht vorliegt, wenn ein obligatorisches Entgelt von den beförderten Migranten nicht verlangt wird, sondern der Schlepper sich mit freiwilligen Spenden begnügt, die er aber mit keiner auch noch so geringen Intention einfordern darf.

Artikel 18/1 des genannten Protokolls lautet nämlich:

Article 18
Return of smuggled migrants

1. Each State Party agrees to facilitate and accept, without undue or unreasonable delay, the return of a person who has been the object of conduct set forth in article 6 of this Protocol and who is its national or who has the right of permanent residence in its territory at the time of return.

Ein Vertragsstaat des Protokolls ist daher nicht verpflichtet, solche Migranten zurückzunehmen, welche für die Überfahrt kein obligatorisches Entgelt bezahlt haben.

Zum obigen Zitat aus Artikel 18 ist ferner hinzuzufügen, dass es allein die Pflicht des Herkunftsstaates begründet, auf solche, wie oben in Artikel 3 zitierte Weise transportierte Migranten zurückzunehmen. Über das Recht des Zielstaates, solche Migranten zurück zu bringen, sagt Artikel 18 hingegen gar nichts aus.

Demgegenüber lautet sogar Artikel 2 des genannten Protokolls, wie folgt:

The purpose of this Protocol is to prevent and combat the smuggling of migrants, as well as to promote cooperation among States Parties to that end, while protecting the rights of smuggled migrants. 

Wenn also der (auch protokollwidrig) transportierte Migrant die Definition des Flüchtlings nach der UN-Flüchtlingskonvention 1951/1967 (UN-FK 1951Convention relating to the Status of Refugees, 189 UNTS 138) in der Fassung des Protocol relating to the Status of Refugees aus 1967 (P 1967; 606 UNTS 268) erfüllt, hat er die darin verbrieften Rechte, so insbesondere das in deren Artikel 31 verankerte Recht, auch bei gesetzwidriger Einreise nicht bestraft zu werden, sofern er direkt aus einem Staat kommt, in dem er nicht sicher war, und sich umgehend den Behörden zu erkennen gibt.

So lautet denn auch Artikel 19/1 des genannten Protokolls ausdrücklich:

1. Nothing in this Protocol shall affect the other rights, obligations and responsibilities of States and individuals under international law, including international humanitarian law and international human rights law and, in particular, where applicable, the 1951 Convention and the 1967 Protocol relating to the Status of Refugees and the principle of non-refoulement as contained therein.

Ganz dem entsprechend hat der Sicherheitsrat (SR) der VN in seiner Resolution vom 9. Oktober 2015, S/RES/2240(2015), u. a. ausgeführt, wie folgt:

The Security Council,

[…]

Expressing grave concern at the recent proliferation of, and endangerment of lives by, the smuggling of migrants in the Mediterranean Sea, in particul ar off the coast of Libya and recognizing that among these migrants may be persons who meet the definition of a refugee under the 1951 Convention relating to the Status of Refugees and the 1967 Protocol thereto, 

[…]

13. Emphasises that all migrants, including asylum-seekers, should be treated with humanity and dignity and that their rights should be fully respected, and urges all States in this regard to comply with their obligations under international law, including international human rights law and international refugee law, as applicable;

[…].

Dementsprechend auch wurde in der Pressemitteilung 144/16 des Europäischen Rates, Erklärung EU-Türkei, 18. März 2016, unter deren Punkt 1) bekannt gegeben, was folgt:

Migranten, die kein Asyl beantragen oder deren Antrag gemäß der genannten Richtlinie als unbegründet oder unzulässig abgelehnt wird, werden in die Türkei rückgeführt.

Dass die Rückführung erst erfolgen darf, wenn über einen Asylantrag in letzter Instanz entschieden wurde, hat der EGMR mehrfach judiziert.

 

 

 

 

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