Zur Resolution S/RES/2254(2015) des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen, über Syrien

In seiner 7588. Sitzung (S/PV.7588) vom 18. Dezember 2015 verabschiedete der Sicherheitsrat (SR) der Vereinten Nationen (VN) den von den Vereinigten Staaten von Amerika eingebrachten Entwurf (S/2015/996) einer Resolution über Syrien als S/RES/2254(2015).

Darin heißt es insbesondere:

The Security Council,

[…]

Expressing its gravest concern at the continued suffering of the Syrian people, the dire and deteriorating humanitarian situation, the ongoing conflict and its persistent and brutal violence, the negative impact of terrorism and violent extremist ideology in support of terrorism, the destabilizing effect of the crisis on the region and beyond, including the resulting increase in terrorists drawn to the fighting in Syria, the physical destruction in the country, and increasing sectarianism, and underscoring that the situation will continue to deteriorate in the absence of a political solution,

[…].

Der SR hält hier ausdrücklich fest und unterstreicht, dass sich die von ihm zuvor dargestellte, für die Zivilbevölkerung furchtbare Situation in Syrien noch verschlechtern wird, sollte keine politische Lösung des Konflikts gefunden werden. Schon damit schließt er implizit jede militärische Lösung aus. Dass er eine solche bereits bislang nicht durchzuführen beschlossen hat, haben wir zuletzt oben, unter: Die Resolution S/RES/2249(2015) des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen, hinlänglich dargetan. Doch auch mit der hier rezensierten Resolution beschließt der SR, wie im Folgenden zu zeigen sein wird, keine militärischen Maßnahmen!

Weiter im Text der zitierten Resolution:

Recalling its demand that all parties take all appropriate steps to protect civilians, including members of ethnic, religious and confessional communities, and stresses that, in this regard, the primary responsibility to protect its population lies with the Syrian authorities,

[…].

Auch indem der SR den Schutz der Zivilbevölkerung hochhebt, deutet er an, dass militärische Maßnahmen unangebracht sind, den Konflikt zu lösen. Die primäre Verantwortung, welche bei Syrien liege, schließt freilich supplementäre Verantwortungen nicht aus, obschon auch diese Formulierung des Primats der Verantwortung Syriens sich zu einem beispiellosen Sarkasmus entwickelte, würde sie in einen Kontext gesetzt, in dem der SR militärische Maßnahmen etwa gut heißen wollte. Somit ist auch dieser Erwägungsgrund ein starkes Indiz dafür, dass solche Maßnahmen nicht beschlossen werden sollten.

Weiter im Text der Resolution:

Reiterating that the only sustainable solution to the current crisis in Syria is through an inclusive and Syrian-led political process that meets the legitimate aspirations of the Syrian people, with a view to full implementation of the Geneva Communiqué of 30 June 2012 as endorsed by resolution 2118 (2013), including through the establishment of an inclusive transitional governing body with full executive powers, which shall be formed on the basis of mutual consent while ensuring continuity of governmental institutions,

[…].

Deutlicher kann man nicht mehr formulieren, dass militärische Maßnahmen zu unterlassen seien!

1. Reconfirms its endorsement of the Geneva Communiqué of 30 June 2012, endorses the “Vienna Statements” in pursuit of the full implementation of the Geneva Communiqué, as the basis for a Syrian-led and Syrian-owned political transition in order to end the conflict in Syria, and stresses that the Syrian people will decide the future of Syria; 

[…].

Auch dass der SR, in logischer Konsequenz aus dem bisher Erläuterten, an erster Stelle im opertaiven Teil der Resolution auf die politische Lösung eingeht, welche er hiermit forciert, zeigt, dass ihm nicht darum zu tun war, militärische Maßnahmen zu beschließen.

5. Acknowledges the close linkage between a ceasefire and a parallel political process, pursuant to the 2012 Geneva Communiqué, and that both initiatives should move ahead expeditiously, and in this regard expresses its support for a nationwide ceasefire in Syria, which the ISSG has committed to support and assist in implementing, to come into effect as soon as the representatives of the Syrian government and the opposition have begun initial steps towards a political transition under UN auspices, on the basis of the Geneva Communiqué, as set forth in the 14 November 2015 ISSG Statement, and to do so on an urgent basis; 

[…].

Auch hier betont der SR die Verquickung des Schweigens der Waffen mit dem Gelingen eines politischen Prozesses, der den Konflikt lösen soll. Zu beachten ist hier ferner, dass der SR darauf hin einen Waffenstillstand nicht anordnet, sondern lediglich seine Unterstützung dafür ausspricht, was im sogleich zu kommentierenden operativen Punkt 8. von tragender Bedeutung sein wird.

8. Reiterates its call in resolution 2249 (2015) for Member States to prevent and suppress terrorist acts committed specifically by Islamic State in Iraq and the Levant (ISIL, also known as Da’esh), Al-Nusra Front (ANF), and all other individuals, groups, undertakings, and entities associated with Al Qaeda or ISIL, and other terrorist groups, as designated by the Security Council, and as may further be agreed by the ISSG and determined by the Security Council, pursuant to the Statement of the ISSG of 14 November 2015, and to eradicate the safe haven they have established over significant parts of Syria, and notes that the aforementioned ceasefire will not apply to offensive or defensive actions against these individuals, groups, undertakings and entities, as set forth in the 14 November 2015 ISSG Statement;  

[…].

Dass sein Aufruf in Resolution 2249(2015), Terrorakte zu verhindern und zu unterdrücken, welcher hier lediglich nochmals betont wird, keinerlei Beschluss von militärischer Gewalt umfasste, haben wir im oben verlinkten früheren Beitrag zu jener Resolution dargelegt. Was aber den zweiten fett hervorgehobenen Passus im vorzitierten Punkt 8. angeht, so nimmt der SR damit lediglich zur Kenntnis, dass der (wie gerade eben erläutert) nicht von ihm angeordnete Waffenstillstand laut der Erklärung vom 14. November 2015 nicht auf offensive oder defensive Aktionen gegen jene anzuwenden sein solle, welche mit dem Terror in Verbindung gebracht werden, wobei das Zitat offensive or defensive actions mitnichten eine Bestätigung für die Rechtmäßigkeit (namentlich über das Verteidigungsrecht nach Artikel 51 UN-Charta hinausgehender) Präventiv- oder Vergeltungsmaßnahmen darstellen kann, sondern vielmehr lediglich eine Bezeugung der Frustration des SR, welche ihm aufgrund der Umstände anhängt, welche darin begründet liegen, dass bislang Artikel 43 UN-Charta nicht umgesetzt ist.

Indem der SR hier auf die genannte November-Erklärung verweist, inkludiert er die betreffende Regelung daraus in seine Kenntnisnahme. Diese Regelung lautet: „The ceasefire would not apply to offensive or defensive actions against Da’esh or Nusra or any other group the ISSG agrees to deem terrorist.„. Abermals stellt der SR hier somit implizit fest, dass alle Mitglieder der ISSG einer Qualifikation als terroristisch zustimmen müssen, damit der Waffenstillstand unanwendbar wird.

Wir halten dafür, dass damit das Wesentliche der genannten Resolution 2254(2015) erörtert ist.

 

 

 

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