Der Islamische Staat und seine Dependenzien im Lichte der Friedensverträge von Szitvatorok (1606) sowie Küçük Kaynarca (1774)

Die Internetausgabe http://www.en.mehrnews.com berichtet am 16. Dezember 2015 unter: Russia demands broader analysis on terrorism, von dem seitens des russischen Außenministers LAWROV gestellten Postulat, das Phänomen des Terrorismus über Syrien hinaus reichend zu analysieren.

Bereits oben, unter: Das Vienna Final Communiqué on Syria im Lichte des turko-persischen Friedens von 1747, haben wir unter Bezugnahme auch auf den turko-persischen Frieden von 1747 (hier unsere deutsche Übersetzung davon) und den Punkt 6. des Final Communiqué vom 30. Oktober 2015 gemutmaßt, dass – was ohnehin augenscheinlich zu sein scheint – beides gegeben ist: sowohl eine Unterstützung durch Staaten dessen, was gemeinhin als Terrorismus verstanden und bezeichnet wird; sowie kriminelle, allgemeinen Terror verursachende verdeckte Aktionen durch Staaten, als auch staatliches offenes Handeln, insbesondere durch Militärs, welches als eklatant völkerrechtswidrig Terror verbreitet. Siehe dazu auch schon oben, unter: Zur Resolution 2178 des UN-Sicherheitsrates betreffs des gewaltsamen Extremismus!

Im Frieden von Szitvatorok, geschlossen 1606 zwischen RUDOLF II. und AHMED I., wurde, in dessen ersten vier Artikeln, Folgendes vereinbart:

 

Erste Bedingung.

Dass sie sich durch zu beiden Kaisern hinkommende Gesandte, der eine wie als Vater, der andere aber wie als Sohn unterstützen; und dass dies durch diese Gesandten da geschehe. [1]

Zweite Bedingung.

Dass in allen Schriftstücken, Briefen und bei allen Besuchen menschlich aufgetreten wird; und dass der eine den anderen Kaiser nenne, nicht aber König.

Dritte Bedingung.

Dass auch die Tartaren und die übrigen Nationen in Frieden vereinigt werden[2], und während des Friedens nicht irgendetwas Schädigendes den Königreichen der Christen noch den Provinzen zufügen[3].

Vierte Bedingung.

Dass zwischen diesen beiden Kaisern hier an allen Orten, besonders aber in Ungarn und in den seit alters zu ihm gehörenden Provinzen so wie in den anderen offenbar zu diesen Kaisern gehörenden Königreichen, Gebieten und Provinzen, so zur See, wie zu Lande, Frieden herrsche; und dass alle dem berühmten Haus Österreich beigegebenen[4] Königreiche oder die von ihnen abhängenden Gebiete mit eingeschlossen seien. Und falls der Spanische König auch dem Frieden beitreten wollte, wir nicht zuwider wären.

Dazu einige direkte Anmerkungen:

[1] Schon hier wird deutlich, dass ein enger, ein familiärer Zusammenschluss zwischen den Völkern beabsichtigt ist.

[2] [I]n pace comprehendantur. Comprehendare heißt zwar auch mit einbeziehen, damit diese Bedeutung hier gemeint sein hätte können, müsste aber der pax im Akkusativ stehen: in pacem. Somit ist diese Bestimmung ein früher und angesichts erst des Beginnes des 17. Jahrhunderts famoser Anhaltspunkt für die neue kollektive und aus Personalstaaten bestehende Weltordnung, bzw. dafür, dass diese nur vorübergehend und martialisch suspendiert würde. Dafür spricht schließlich auch, dass dieser Punkt noch vor jenem des eigentlichen Friedensschlusses gesetzt worden ist.

[3] Bezeichnend auch für ein starkes Völkerrecht, dass hier die Rede allein von den Staatswesen (Königreichen und Provinzen) nicht aber von deren Angehörigen ist, woraus logisch folgt, dass den Schutz des Friedens nur erhielt, wer staatskonform (und im Einklang mit dem Völkerrecht [siehe dazu auch schon unten, bei: Zur Voraussetzung der völkerrechtskonformen Gesinnung eines Flüchtlings im Sinne der Genfer Flüchtlingskonvention]) handelte und wohl auch dachte.

[4] Reiche sind demnach den Herrschern bloß verliehen, nicht aber deren Eigentum, über das Souveränität geübt werden könnte.

Was aber die Tartaren (mit „r“!) angeht, so bezeichnen diese jene, welche „aus der Hölle kommen“. Siehe dazu www.wikipedia.org!

Der Frieden von Küçük Kaynarca, geschlossen 1774 zwischen KATHARINA II. sowie ABDÜLHAMID I. (siehe hier unsere deutsche Übersetzung davon!) sieht in seinem Artikel III über die Tartaren vor, was folgt:

Alle Tartaren-Stämme der Krim, von Budziack, von Cuban, von Yedessan, Dsjiamluiluk und Sedikul werden alle ohne irgendeine Ausnahme von den beiden Reichen als frei, unmittelbar[1], sowie als unabhängig von allen fremden Mächten anerkannt werden; & wie sie unter der unmittelbaren Macht deren eigenen, aus der Rasse Dschingiskhans gewählten Khans stehen, der mit der einhelligen Zustimmung aller Tartaren-Völker zum Khan bestellt wird, und unter wessen Regierung sie ihren Gesetzen & ihren alten Gebräuchen folgen, ohne irgendeiner fremden Macht darüber Rechenschaft abzulegen; wird sich weder der Hof Russlands, noch die Ottomanische Pforte in die Wahl des besagten Khans einmischen, noch auch in deren innere politischen oder zivilen Angelegenheiten; sondern werden diese Stämme in ihrem politischen und zivilen Stand[2] auf dieselbe Weise anerkannt werden, wie die anderen Mächte, die sich selbst regieren und nur von Gott selbst abhängen[3]. Was die Religion angeht, werden sie, – von der Erwartung ausgegangen, dass die Tartaren denselben Kult besitzen wie die Moslems, und dass der Sultan der souveräne Kalif des Islamismus ist – in dessen[4] Hinsicht den Grundsätzen ihrer[5] Religion folgend Regelungen treffen, nichtsdestotrotz ohne dass[6] die Festigung ihrer politischen Freiheit dadurch irgendeiner Gefahr ausgesetzt sei. Das Reich Russlands tritt den besagten Tartaren-Stämmen, mit Ausnahme der Festungen von Kertsch & von Jenikale mit deren Distrikten und Häfen, die Russland für sich zurückbehält, alle anderen Städte, Festungen, Ländereien, die es mit seinen Waffen[7] auf der Krim & im Cuban erobert hat, die Distrikte zwischen den Flüssen Berda, Konschiwode & dem Niepr, desgleichen wie alles ausgedehnte Land bis zu den Grenzen Polens zwischen dem Bug & dem Dnistr bis auf die Festung von Oczakow mit ihrem alten Distrikt, der, wie zuvor, der Pforte verbleiben wird, ab[8] & verspricht, nach der Unterzeichnung des Friedensvertrages[9] & dem Austausch der Ratifikationen aus diesen Ländern alle seine Truppen abzuziehen. Die Hohe Pforte verpflichtet sich gleichermaßen, von allen Ansprüchen auf die Festungen, Städte, Plätze etc. auf der Krim, im Cuban, & auf der Insel Taman zurückzutreten, dorthin niemals Garnisonen oder bewaffnete Truppen[10] zu entsenden, und infolgedessen den Tartaren, wie es Russland macht, diese Staaten mit einer vollen und ganzen Unabhängigkeit zurückzugeben. Die Hohe Pforte verspricht im Übrigen und feierlich, dass sie in die besagten Städte, Plätze und Gegenden niemals irgendwelche Garnisonen, noch bewaffnete Truppen, noch selbst irgendeinen Quartiermeister oder anderen Militärangehörigen, unter welchem Namen es auch sein könnte, ziehen lassen wird; sondern sie wird, nach dem Beispiel Russlands, alle Tartaren im Genuss deren Freiheit und Unabhängigkeit belassen.

Auch hier einige direkte Anmerkungen dazu:

[1] Reichsunmittelbar?

[2] Eingedenk der Tatsache, dass, wenn ich mich recht entsinne, im 13. oder 14. Jahrhundert (und wahrscheinlich zufolge des Briefes Eduards II. an den Kaiser der Tartaren, Langley [1307]: siehe dessen lateinisches Original bei DUMONT) scharenweise Skythen zum Judentum konvertiert sind, ist hier an die Balfour-Erklärung (gleichsam als contrarium actum) zu denken.

[3] Sowie im selben (sich auch auf Afrika auswirkenden) Zusammenhang an das Mandatssystem des Völkerbundes (Artikel 22 des Friedens von Versailles [1919]).

[4] Des Islamismus.

[5] Offenbar nicht des Islams!

[6] Dies fordert mitunter eine gewisse religiös-konfessionelle Verstellung ab und fördert so nicht gerade die Volksgesundheit.

[7] Mit wessen sonst? Österreichischen!

[8] Siehe eine grafische Darstellung der Gebietsveränderungen rund um das Schwarze Meer anhand der Karten von 1772 und 1775, je des Instituts für Europäische Geschichte Mainz, IEGM, aus welchen jedoch die Unabhängigkeit der genannten Tartaren-Gebiete nicht hervorgeht.

[9] Zweifel bleiben offen, ob: nicht dieses.

[10] Diese Differenzierung, nach welcher nicht okkupierende, aber gleichwohl bewaffnete Truppen denkbar wären, erscheint nicht nur unrealistisch, sondern auch redundant. Denn selbst die hier vorweggenommenen bewaffneten UN-Truppen sind de facto (wenigstens partiell) Okkupant.

Beachtet sei, dass klugen Köpfen auch bereits des 17. und 18. Jahrhunderts die geopolitische Zukunft, wie sie heute gegenwärtig ist, nicht verschlossen bleiben konnte.

Dass eine staatsähnliche Entität gegebenenfalls (und von zuständigen kompetenten Gerichten gegebenenfalls festzustellen) kriminelle Handlungen durch einzelne ihrer Repräsentanten begangen hat, kann völkerrechtlich nicht dazu angetan sein, diese Entität von politischen Verhandlungen über einen zu schließenden Frieden auszuschließen. Dies geschah schließlich auch mit dem Deutschen Reich bzw. dessen Nachfolger, der BRD, nicht.

Der Friede unter Ausschluss des IS kann nur von fraglichem Naturell sein.

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