Die italo-türkischen Friedenspakten aus 1912 und ihre Implikation auf die westliche Dekadenz-Party

Als bekannt wird vorausgesetzt, dass Italien und das Osmanische Reich kurz vor dem Ersten Weltkrieg im Wesentlichen im heutigen Libyen sowie auf einigen Inseln der Ägäis Krieg gegeneinander führten, was die Hohe Diplomatie, wie sogleich zu zeigen sein wird, in gewohnt genialer Weise dazu ausgenutzt hat, basierend auf völkerrechtlichen Grundsätzen der Gerechtigkeit unter den Nationen und der souveränen Gleichheit der Völker sowie der Selbstbestimmung ihrer die Weichen für das 20. Jahrhundert und darüber hinaus zu stellen, was Wirtschaftlichkeit, Sparsamkeit, Nachhaltigkeit und Klimaschutz angeht.

Zur Sache!

Am 18. Oktober 1912 unterzeichneten die beiden genannten Staaten schließlich in Lausanne einen Friedensvertrag, aus dessen für unsere Betrachtungen ganz wesentlichem Artikel 6 wir aus der französischen Originalfassung (siehe diese bei MARTENS, N. R. G., 3ème serie, Tome VII, Leipzig [1913], 7) zitieren wie folgt:

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Für jene Leser, welche des Französischen nicht mächtig sind, hier eine nicht authentische, aber recht gute Übersetzung ins Englische [zu finden bei JSTOR bzw. in AMERICAN SOCIETY OF INTERNATIONAL LAW, The American Journal of International Law, Vol. 7, No. 1, Supplement: Official Documents (Jan., 1913), pp. 58-62]:

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Im Ergebnis wurde hier vereinbart, dass die Türkei (!) bestimmte Waren, darunter insbesondere Erdöl, unter ein Monopol nehme, und dass der Preis dafür de facto an jenen von Zigarettenpapier, Alkohol, Zündhölzern und Spielkarten geknüpft werde.

Um es abzukürzen: Dies ist der Beleg für die völkerrechtliche Prämisse günstiger Rohstoffe für den Westen, nämlich die Unterlassung, Party zu feiern.

Die für effektive Implementierung notwendige Reziprozität dieser Bestimmung ergibt sich aus der Tatsache, dass die beiden damaligen (wie heutigen) Provinzen Libyens, nämlich Tripolitanien und die Cyrenaika, mit einem Präliminarvertrag zwischen den selben Parteien, unterzeichnet ebenfalls zu Lausanne, am 15. Oktober 1912, (MARTENS, aaO, 3) einem sich aus dessen Annexen ergebenden Sonderstatus unterworfen wurden, welcher ohne Not dahin ausgelegt werden kann, dass diese Provinzen gleichsam Neue Pforte zwischen dem Westen und dem Nahen Osten samt Nordafrika darstellen sollen, welche sich dadurch auszeichnet, dass sie eine Drehtür darstellt, von der nicht gesagt werden kann, wo ihr Eingang oder wo ihr Ausgang, bzw. nach welcher Richtung sie verläuft.

Je mehr Party, desto teurer die Rohstoffe!

 

 

 

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