Über das Recht, fremdes Territorium zu überfliegen

Am 10. Oktober zwangen Türkische Luftstreitkräfte einen Syrischen Jet (des Typs A 320) mit insgesamt 37 Personen an Bord , der aus Moskau kommend in Richtung Damaskus über Türkischem Luftraum unterwegs war, zur Landung. Bei der darauf folgenden Untersuchung kam zutage, dass der Flieger auch zu militärischen Zwecken verwendbare Bestandteile eines Radar-Abwehr-Systems an Bord hatte, die für das Syrische Verteidigungsministerium bestimmt waren. Siehe dazu etwa: Boxes had spare radar parts for Syria: Report, hurriyetdailynews.com vom 12. Oktober 2012.

Im Folgenden soll der Frage nachgegangen werden, ob das Vorgehen der Türkischen Behörden rechtens war.

Artikel I Sektion 1 des International Air Services Transit Agreement, Chicago, 7.12.1944 (IASTA, 84 UNTS 252), deren Vertragsparteien die Türkei und Syrien sind, lautet:

Each contracting State grants to the other contracting States the following freedoms of the air in respect of scheduled international air services :

(1) The privilege to fly across its territory without landing;

(2) The privilege to land for non-traffic purposes.

The privileges of this section shall not be applicable with respect to air ports utilized for military purposes to the exclusion of any scheduled international air services. In areas of active hostilities or of military occupation, and in time of war along the supply routes leading to such areas, the exercise of such privileges shall be subject to the approval of the competent military authorities.

Ein offenes Geheimnis ist seit Monaten, dass die Türkei Söldner, die in Syrien danach trachten, die Syrische Regierung durch bewaffneten Kampf zu stürzen, militärisch unterstützt. Dies verstößt gegen die International Convention against the Recruitment, Use, Financing and Training of Mercenaries (A/RES/44/34) und ist außerdem im Sinne der Definition of Aggression (A/RES/3314[XXIX]; Artikel 3 [g]) als Aggression anzusehen. Syrien hat auf dieses Verhalten der Türkei mit mehreren Beschüssen Türkischen Grenzterritoriums reagiert. Es lässt sich nicht bestreiten, dass zwischen der Türkei und Syrien ein kriegsähnlicher Zustand herrscht.

Aus diesem Grund war schon nach vorzitiertem Artikel I IASTA eine besondere Genehmigung durch die Türkischen Streitkräfte zum Überflug Türkischen Territoriums vonnöten.

Überdies lautet Artikel I Sektion 2 IASTA wie folgt:

The exercise of the foregoing privileges shall be in accordance with the provisions of the Interim Agreement on International Civil Aviation and, when it comes into force, with the provisions of the Convention on International Civil Aviation, both drawn up at Chicago on December 7, 1944.

Artikel 3 der Convention on International Civil Aviation (CICA, 15 UNTS 102), deren Vertragsparteien alle drei involvierten, hier genannten Staaten sind, lautet:

Civil and state aircraft

(a) This Convention shall be applicable only to civil aircraft, and shall not be applicable to state aircraft.

(b) Aircraft used in military, customs and police services shall be deemed to be state aircraft.

(c) No state aircraft of a contracting State shall fly over the territory of another State or land thereon without authorization by special agreement or otherwise, and in accordance with the terms thereof.

(d) The contracting States undertake, when issuing regulations for their state aircraft, that they will have due regard for the safety of navigation of civil aircraft.

Durch die Ladung mit militärischem Gerät, auch wenn dieses nicht in Waffen besteht, wird ein Luftfahrzeug zu einem, das in militärischen Diensten unterwegs ist: das lässt sich zwanglos argumentieren. Damit wird ein solches Luftfahrzeug ein Staatsflugzeug im Sinne der vorzitierten Bestimmung litera (b) und somit vom Anwendungsbereich sowohl des CICA als auch des IASTA ausgeschlossen.

Aus all dem folgt, dass das eingangs beschriebene Vorgehen der Türkischen Behörden rechtens war.

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