Der US Iran Sanctions Act of 1996 im Lichte des NPT

Mit dem Iran Sanctions Act of 1996 (ISA 1996) (Public Law 104–172; 50 U.S.C. 1701 note [logische Seite 351]) haben die USA insbesondere wegen dessen Atomprogramm die gesetzlichen Grundlagen für die Verhängung von umfangreichen Sanktionen gegen Personen erlassen, die mit Iran in Geschäftsverbindung stehen.

Sec. 2 (1) ISA 1996 lautet:

The efforts of the Government of Iran to acquire weapons of mass destruction and the means to deliver them and its support of acts of international terrorism endanger the national security and foreign policy interests of the United States and those countries with which the United States shares common strategic and foreign policy objectives.

Weder die angeblichen Anstrengungen Irans, Massenvernichtungswaffen zu erlangen, werden hier näher dargelegt, noch dargestellt, um welche Außenpolitiken bzw. deren Ziele es sich handelt, und ob diese insbesondere mit dem Völkerrecht vereinbar sind.

In Sec. 6 ISA 1996 sind die Details der verhängbaren Sanktionen geregelt, die vom Ausschluss von Förderungs- und Hilfsmaßnahmen der Export-Import-Bank, über den Ausschluss von Exportgenehmigungen und das Verbot von Gewährung von Krediten bis hin zum Ausschluss von der Teilnahme am Handel mit US-Staatsanleihepapieren etc. reichen.

Sec. 5 ISA 1996 regelt die (inkriminierten) Voraussetzungen, unter denen über konkrete Personen (die mit Iran in Geschäftsbeziehung stehen) solche Sanktionen nach Sec. 6 verhängt werden können.

In Sec. 4 (c)(1)(B)(i)(I)(aa) ISA 1996 ist vorgesehen, dass der Präsident eine Ausnahme von der Verhängung von Sanktionen bestimmen kann, u. a. wenn die Regierung, die hauptsächliche Jurisdiktion über die betreffende Person hat, mit den USA eng zusammenarbeitet, um Iran abzuhalten von

acquiring or developing chemical, biological, or nuclear weapons or related technologies.

Sec. 5 (b)(1) ISA 1996 lautet:

The President shall impose 3 or more of the sanctions described in section 6(a) if the President determines that a person has, on or after the date of the enactment of the Comprehensive Iran Sanctions, Accountability, and Divestment Act of 2010 [July 1, 2010], exported, transferred, or otherwise provided to Iran any goods, services, technology, or other items knowing that the provision of such goods, services, technology, or other items would contribute materially to the ability of Iran to—

(A) acquire or develop chemical, biological, or nuclear weapons or related technologies; or

(B) acquire or develop destabilizing numbers and types of advanced conventional weapons.

Der fett hervorgehobene Passus in Sec. 5 (b)(1)(A) ISA 1996 subsumiert unter sich offenbar auch die Urananreicherung als verbundene Technologie. Wie ich oben gezeigt habe, umfasst das in Artikel IV/1 NPT garantierte Recht auf friedliche Entwicklung und Nutzung der Kernenergie auch die Urananreicherung.

Und Sec. 8 ISA 1996 bestimmt das Ende der zeitlichen Wirksamkeit der Zulässigkeit, Sanktionen nach Sec. 5(a) ISA 1996 zu verhängen, wie folgt:

SEC. 8. TERMINATION OF SANCTIONS.

The requirement under section 5(a) to impose sanctions shall no longer have force or effect with respect to Iran if the President determines and certifies to the appropriate congressional committees that Iran—

(1) has ceased its efforts to design, develop, manufacture, or acquire—

(A) a nuclear explosive device or related materials and technology;

(B) chemical and biological weapons; and

(C) ballistic missiles and ballistic missile launch technology;

(2) has been removed from the list of countries the governments of which have been determined, for purposes of section 6(j) of the Export Administration Act of 1979 [50 U.S.C. App. 2405(j)], to have repeatedly provided support for acts of international terrorism; and

(3) poses no significant threat to United States national security, interests, or allies.

Der fett hervorgehobene Passus in Sec. 8 (1)(A) ISA 1996 subsumiert unter sich offenbar auch die Urananreicherung als verbundene Technologie; ja sogar den Erwerb von dual use Ausrüstung. Wie ich oben gezeigt habe, umfasst das in Artikel IV/1 NPT garantierte Recht auf friedliche Entwicklung und Nutzung der Kernenergie auch die Urananreicherung. Daraus folgt, dass Sec. 8 ISA 1996 insoweit völkerrechtswidrig ist, als er die Aufhebung der Sanktionsverhängung von der Einstellung einer Praxis Irans abhängig macht, die diesem kraft völkerrechtlicher Vertragsbestimmung ausdrücklich zugestanden bzw. garantiert worden ist.

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