Zur Völkerrechtswidrigkeit der Finanzierung der Aufständischen in Syrien

Bezug: 100 Millionen Dollar für Aufständische (derstandard.at, 2012-04-02) sowie Leaked emails show US security firm helping Syrian rebels (presstv.ir, 2012-04-05)

Zumindest Saudi Arabien und Katar sind Vertragsstaaten der International Convention Against the Recruitment, Use, Financing and Training of Mercenaries  (A/RES/44/34). Diese definiert den Söldner in ihrem Artikel I Absatz 2 alternativ, wie folgt:

2. A mercenary is also any person who, in any other situation:

(a) Is specially recruited locally or abroad for the purpose of participating in a concerted act of violence aimed at:

(i) Overthrowing a Government or otherwise undermining the constitutional order of a State; or

(ii) Undermining the territorial integrity of a State;

(b) Is motivated to take part therein essentially by the desire for significant private gain and is prompted by the promise or payment of material compensation;

(c) Is neither a national nor a resident of the State against which such an act is directed;

(d) Has not been sent by a State on official duty; and (e) Is not a member of the armed forces of the State on whose territory the act is undertaken.

Auf alle Aufständischen, bzw. jene, die auf deren Seite in die bewaffneten Kampfhandlungen involviert sind, und die weder Syrische Staatsbürger noch dort seßhaft sind, trifft diese Definition zweifelsfrei zu.

Überdies bestimmt die Declaration on Principles of International Law concerning Friendly Relations and Cooperation among States in accordance with the Charter of the United Nations  (A/RES/2625[XXV]), wie folgt:

Every State has the duty to refrain from organizing, instigating, assisting or participating in acts of civil strife or terrorist acts in another State or acquiescing in organized activities within its territory directed towards the commission of such acts, when the acts referred to in the present paragraph involve a threat or use of force.

Sofern die bewaffneten Aktivitäten der Aufständischen als Terrorismus bzw. jene als Bürgerkrieg anzusehen sind, trifft dieses Verbot hier zu. De facto sind die bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Regierungstruppen und Aufständischen längst als Bürgerkrieg anzusehen.

Ein weiteres Verbot in derselben Deklaration lautet:

Every State has the duty to refrain from organizing or encouraging the organization of irregular forces or armed bands, including mercenaries, for incursion into the territory of another State.

Jedwede Finanzierung von Bewaffneten, die vom Ausland aus nach Syrien einfielen, fiele unter dieses Verbot.

Hier noch ein thread bei derstandard.at zum Thema.

20120403, 1255

Hinzuzufügen ist dem allem der letzte Erwägungsgrund der International Convention Against the Recruitment, Use, Financing and Training of Mercenaries, welcher da lautet:

The States Parties to the present Convention

[…]

Cognizant that matters not regulated by such a convention continue to be governed by the rules and principles of international law.

Wenn also insbesondere die oben wiedergegebene Definition der Söldner des Artikels 1 Absatz 2 der genannten Konvention im Falle der Aufständischen in Syrien nicht zutreffend sein mag, weil diese Syrische Staatsangehörige sind, dann hindert dies nicht, deren Finanzierung nach anerkannten völkerrechtlichen Regeln gleichwohl als illegitim zu erkennen.

Auch die in Resolution 2625(XXV) der Generalversammlung der Vereinten Nationen zusammengestellten Principles of International Law concerning Friendly Relations and Cooperation among States in accordance with the Charter of the United Nations stellen lediglich eine demonstrative nicht aber eine abschließende Aufzählung von (insbesondere in der Charta der Vereinten Nationen verankerten) Prinzipien dar, deren eines da verbietet, sich in interne Angelegenheiten anderer Nationen einzumischen.

Wenn also im oben zitierten Prinzip, wonach Assistenz für gewaltsame Terroristen oder Bürgerkriegsparteien verboten ist, die Rede nur von diesen beiden Varianten ist, so bedeutet dies nicht, dass eine Assistenz für eine Partei in einem anderen organisierten bewaffneten Konflikt zwischen Regierungstruppen und Anderen (Aufständischen) keine solche verbotene Intervention darstellte.

Die Interventionsmöglichkeiten sind vielfältig; daher ist es unmöglich in einer wie oben zitierten Deklaration der Prinzipien alle möglichen Fallkonstellationen kasuistisch anzuführen.

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