Die Handlungsvollmacht an Gipuzkoa (1720/1729)

Im Folgenden liefere ich meine Übersetzung aus dem Französischen der Bewilligung des Königs von Spanien (Philipp V., der erste aus dem Hause Bourbon), erteilt 1720 an eine Gesellschaft der Provinz Gipuzkoa, um an den Caracassen (caraques; siehe Trévoux, Band II, Paris [1771], 256 f.) zu verhandeln, wie sie bei Dumont, Corps universel diplomatique du Droits des Gens, VIII/2, Amsterdam/Den Haag (1731), 157, zu vernehmen ist.

Zwar nehme ich damit in zeitlicher Hinsicht einen beträchtlichen Sprung zum bisher Gebotenen vor, doch erscheint mir der Zeitpunkt passend, den genannten Dokumententext zu bringen, wirft er doch ein bedeutsames Licht auf manche Gewaltanwendung aus Verzweiflung an der gewaltsamen Realität des Hochverrats.

Wie gewohnt, werde ich den übersetzten Text hier sukzessive einstellen und bisweilen mit als Download hinterlegten Anmerkungen versehen. Es folgt nun meine Übersetzung:

Zumal die Provinz Gipuzkoa ihren gewöhnlichen Eifer zum Dienste Seiner Majestät und ihrer Untertanen Vorteil bei jeder Gelegenheit platzen lässt, und vor allem in der gegenwärtigen Situation, da man die Spanier erbärmlich des Handels gegen Caracas beraubt sieht, welcher in die Macht fremder Nationen gefallen ist, die diesen Handel und alle Vorteile, die daraus zufallen können, besitzen, als gehörten sie ihnen zu eigen; woraus sich der offenkundige Schaden ergibt, den die gewichtigen Rechte erfahren, welche Seine Majestät verliert, und von andererseits der Schaden, den ganz Spanien daraus wegen des hohen Preises für Kakao und den außergewöhnlichen Preis erfährt, zu dem man ihn verkauft; und da höchst offensichtlich ist, dass die Nachlässigkeit der Untertanen Seiner Majestät, sich bei diesem Handel mit mehr Sorge Mühe zu geben und die anderen Nationen zu steuern, die daraus allen Profit ziehen, der Grund dafür ist, dass der Preis für dieses Lebensmittel anstelle, gesenkt zu werden, noch höher steigen wird; hat diese Provinz Seiner Majestät angeboten, zum Dienste Seiner Majestät und der Nation Kriegsschiffe zur Verteidigung auszurüsten, sie mit ihren ausgewählten Matrosen zu versehen und sie nach den Caracassen zu schicken, um die Mittel zu erleichtern, den vorgenannten Verlusten und Schäden vorzubeugen und zu veranlassen, dass sich dieser devisengünstige Handel in Zukunft mit mehr Ergebnis fortsetze, und so hat es Seiner Majestät gefallen, dieser Provinz die Schifffahrt nach den Caracassen zu den folgenden Bedingungen zu gestatten.

I. Dass die Provinz eine Gesellschaft errichten soll, jedes Jahr zwei mit 40 bis 50 Stück Kanonen ausgestattete und mit Früchten und anderen Lebensmitteln des Königreichs beladene Schiffe nach den Caracassen entsenden wird; dass diese, nachdem sie im Hafen von Guayana angekommen und entladen worden sein werden, von dort auslaufen werden, um vor den Küsten zu kreuzen und alle Schiffe und Boote zu erstürmen, die sie einen verbotenen (verteidigten) Handel treibend vorfinden; sie werden ihre Fahrten vom Orinoco Fluß bis zum Rio de la Hacha (Riohacha) ausdehnen können; zu welchem Zweck sie mit Patenten Seiner Majestät werden ausgestattet werden.

II. Dass diese beiden Schiffe in San Sebastian oder in Passage werden beladen werden und, indem sie Seiner Majestät anstelle der königlichen Gebühren, die sie in Cadiz entrichten sollten, einen gleichwertigen Dienst erweisen werden, direkt von Gipuzkoa nach den Caracassen in See stechen werden.

III. Dass sie bei der Rückkehr mit ihrer Ladung von Kakao, Silber, Gold, Tabak, Rauen Stechwinden, Leder und anderen Lebensmitteln aus den dortigen Ländern in Cadiz anlegen und, nachdem die Schiffe besichtigt und die königlichen Gebühren entrichtet worden sein werden, ohne erhebliche Aufwände zum Entladen und Wiederbeladen jenen Teil ihrer Ladung nach Kantabrien werden transportieren können, den sie für genehm erachten werden.

IV. Dass die Prisen, die sie in Amerika etwa machen konnten, nach einem Drittel für die Mannschaft und den restlichen zwei Dritteln zum Gewinn der Gesellschaft werden aufgeteilt werden.

V. Dass die Lebensmittel, die abgenommen worden sein werden, an den Caracassen in Bezahlung der königlichen Gebühren werden können  verkauft werden; die mit ihrer Ladung von Kakao und anderen Lebensmitteln genommenen Boote werden, versehen mit einem Register, nach Spanien geschickt werden , und die Schiffe, die zu kreuzen werden tauglich befunden werden, werden zu diesem Zweck können ausgerüstet werden.

VI. Dass die Geschäftsführer der Gesellschaft, wenn sie einen Rest Kakaos übrig haben, ihn in den nach diesem, den Einwohnern der Caracassen erlaubten Markt bestimmten Barken nach Vera Cruz schicken werden können.

VII. Dass die Geschäftsführer verpflichtet sein werden, außer die Provinz Venezuela auch jene von Cumana, Magarita und Trinidad mit Waren zu versorgen.

VIII. Dass der Gouverneur der Caracassen zum Erhaltungsrichter der Gesellschaft und aller ihrer Dependentien, mit Verantwortung vor allen Gerichten und Ministern davon Kenntnis zu nehmen, und mit dem Berufungsrecht an den Indischen Rat, ernannt werden wird.

IX. Dass die genannten Schiffe werden davon ausgenommen werden, die Fremdengebühren zu entrichten, was die Tonnagegebühr, die Seminarsgebühr und andere Rechte betrifft, die auf die Effekten aus den Caracassen, welche sich auf den registrierten Schiffen befinden, einzuheben, man in Cadiz die Gewohnheit hat.

X. Dass Seine Majestät die genannte Gesellschaft unter ihrem Königlichen Schutz halten und jene, die davon abhängen, die Rechte und Ehren genießen lassen wird, die den Angehörigen der Königlichen Flotte zustehen; und der Anteil, den man hier an diesem Handel nehmen wird, wird niemanden in dessen Ehre, Stand oder Ansehen weder direkt noch indirekt schädigen; ganz im Gegenteil wird dies ein neuer Glanz sein, der dessen Vornehmheit, dessen Diensten und dessen Charakter hinzugefügt werden wird.

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Die Gesellschaft fügte diesen Verleihungsartikeln die folgenden Vorschriften und Bedingungen hinzu:

I. Diese Gesellschaft wird unter dem Schutz des Heiligen Ignatius von Loyola, dem Patron von Gipuzkoa, errichtet werden.

II. Der Gewinn, der aus dieser Gesellschaft einkommen wird, wird unter allen Beteiligten verteilt werden, ohne dass irgendeiner von ihnen alleine denselben Handel wie die Gesellschaft treiben könnte.

III. Jede Aktie der Gesellschaft wird auf 500 Piaster, zu je 15 Reals Billon, lauten.

IV. Der Nennbetrag dieser Aktien ist zahlbar an dem Ort und zu den Bedingungen, wie sie von den Direktoren werden angezeigt werden; und das ganze Grundkapital dieser Gesellschaft wird eineinhalb Millionen Piaster betragen.

V. Jeder Aktionär wird seine Aktie oder seine Aktien nach seinem Willen und auf rechtmäßige Weise abtreten oder verkaufen können.

VI. Sobald man alles nötige Geld, um die erste Fahrt vorzunehmen, angesammelt haben wird, werden die Direktoren eine Generalversammlung der Beteiligten abhalten, um einen die Zeit und den Ort betreffenden Beschluss anzunehmen, zu denen diese Fahrt wird stattfinden sollen, und um die anderen dafür notwendigen Regelungen zu veranlassen.

VII. In den Versammlungen der Gesellschaft werden alle Menschen, die acht Aktien halten werden, eine Stimme haben; jene, die 16 Aktien halten werden, werden zwei Stimmen haben, und so fort in diesem Verhältnis.

VIII. Die Beteiligten, die aus gerechtfertigten Gründen abwesend sein werden, werden ihre Stimmen durch einen Vertreter abgeben. Jedoch werden jene, die Aktien unterhalb von 12.000 Piaster halten werden, ihre Vertretung nur an eine an derselben Gesellschaft beteiligte Person vergeben können. So dass es nur jene, die zu mehr als 11.000 Piaster beteiligt sein werden, geben wird, die das Recht haben sollen, ihre Vertretung an Personen zu übertragen, die daran überhaupt gar nicht beteiligt sind.

IX. Dieselbe Generalversammlung wird alles regeln, was für die Lagerhäuser, den Handel und die Fahrten der Gesellschaft nötig sein wird, desgleichen die Bußgelder und Strafen, die sie als angemessen erkennen wird, jenen aufzuerlegen, die ihre Regeln nicht beachten werden.

X. Besagte Versammlung wird auch die Ordnung regeln, welche von den Buchführern der Gesellschaft, den Rechnungsprüfern und den übrigen Funktionären der Gesellschaft wird sollen beobachtet werden; desgleichen deren Bestellung und jene der Direktoren.

XI. Diese Versammlung wird das Recht haben, Veränderungen vorzunehmen, die sie in Bezug auf die Direktoren und die anderen Funktionäre der Gesellschaft für notwendig erachten wird.

XII. Als Direktoren werden nur im Handel verständige und erfahrene Personen können ausgewählt werden, die wenigstens 16 Aktien der Gesellschaft haben sollen, die sie, während der Zeit, da sie in dieser Stellung sein werden, weder abtreten noch werden verkaufen können.

XIII. Verwandte oder im ersten oder zweiten Grad verschwägerte Personen werden nicht zur gleichen Zeit Direktoren sein können.

XIV. Die Direktoren werden jedes Jahr eine Generalversammlung einberufen, um über den Stand der Angelegenheiten der Gesellschaft zu berichten, um die Dividenden zu regeln usw.

XV. Die Revisoren werden die Bücher der Direktoren prüfen und der Generalversammlung darüber Bericht erstatten.

XVI. Die Direktoren werden alle fünf Jahre eine Generalversammlung einberufen, in der sie über ihre Verwaltungstätigkeit berichten werden; und sie werden darüber eine solche einberufen, wenn eine außerordentliche Dividende auszuschütten sein wird.

XVII. Die Direktoren und die Rechnungsprüfer werden irgendwelche Waren der Gesellschaft nur im öffentlichen Verkauf erwerben können. Sie werden auch keine Waren verkaufen können, noch das, was der Gesellschaft gehört.

XVIII. Die Direktoren treffen keine wichtige Entscheidung ohne die Mehrheit der Stimmen.

XIX. Die Direktoren, die unverzüglich werden gewählt werden, werden ihre Order erteilen, um Schiffe bauen zu lassen, wo sie es für angebracht erachten werden, und um sie auf die Weise, die ihnen gefallen wird, auszurüsten. Sie werden auch die Inspektion der Ladung innehaben, die sie werden aufnehmen lassen, und des Verkaufs der Waren der Gesellschaft; und sie werden über ihre Gebarung der ersten Generalversammlung berichten.

XX. Die genannten Direktoren werden in der ersten Generalversammlung im Beisein der Abgeordneten der Provinz San Sebastian vereidigt werden.

XXI. Die Direktoren werden die Schiffsoffiziere, die Geschäftsführer, die Buchhalter und die anderen Funktionäre der Gesellschaft ernennen und die Gehälter festlegen. 

XXII. Zumal für notwendig befunden worden ist, während der Gründung besagter Gesellschaft fünf Direktoren zu ernennen, werden, um dieser Verwendung zu entsprechen, mit 1.000 Piaster Gehalt für jeden, wobei der ersten Generalversammlung aber freistehen wird, diese Summe zu erhöhen oder herabzusetzen, ernannt: die Herren Joseph-Miguel BILDOLOSA, Prior des Konsulats von San Sebastian, Dominique-Grégoire de YUN-Y-BARVIA; Joseph LEPEOLA; Jean-Antoine CLAESENS; Joseph d’AERDI.  

XXIII. Die Rechnungsprüfer werden Sorge tragen, die Gebarung der Direktoren zu überwachen; und für diese Verwendung sind  die Herren Pierre-Antoine d’ARBAYZA & Jean-François LOPEZ ernannt worden, denen 300 Piaster Gehalt zugedacht worden sind, bis dass die erste Generalversammlung diese Summe erhöhe oder herabsetze.

XXIV. Zumal der Hauptzweck, den sich der König für die Gründung dieser Gesellschaft vorgenommen hat, ist, den Kakao unter seinen Untertanen auf einem angemessenen Stand zu halten, und den Handel in seinen Ländern erblühen zu lassen, werden die Direktoren und die Generalversammlungen gehalten sein, an allem zu arbeiten, um diese beiden großen Absichten zu erfüllen.

Fin.

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