Convention on Early Notification of a Nuclear Accident

Mit Bezug auf „Staaten für Sicherheit verantwortlich“, bei derstandard.at, wo behauptet wird: „Welche Vorfälle wie rasch, wie umfangreich und wie regelmäßig berichtet werden müssen, ist nach IAEO-Angaben nicht festgelegt.„, zitiere ich aus der im Titel genannten Konvention, BGBl. 186/1988 (mit deutscher, nicht authentischer Übersetzung), wie folgt:

[Präambel]

Article 1
Scope of application

1. This Convention shall apply in the event of any accident involving facilities or activities of a State Party or of persons or legal entities under its jurisdiction or control, referred to in paragraph 2 below, from which a release of radioactive material occurs or is likely to occur and which has resulted or may result in an international transboundary release that could be of radiological safety significance for another State.

2. The facilities and activities referred to in paragraph 1 are the following:

a) any nuclear reactor wherever located;
b)
[…]

Article 2
Notification and information

In the event of an accident specified in article 1 (hereinafter referred to as a „nuclear accident“), the State Party referred to in that article shall:

a) forthwith notify, directly or through the International Atomic Energy Agency (hereinafter referred to as the „Agency“), those States which are or may be physically affected as specified in article 1 and the Agency of the nuclear accident, its nature, the time of its occurrence and its exact location where appropriate;

b) and promptly provide the States referred to in sub-paragraph (a), directly or through the Agency, and the Agency with such available information relevant to minimizing the radiological consequences in those States, as specified in article 5.

[…]

Article 5
Information to be provided

1. The information to be provided pursuant to sub-paragraph (b) of article 2 shall comprise the following data as then available to the notifying State Party:

a) the time, exact location where appropriate, and the nature of the nuclear accident;

b) the facility or activity involved;

c) the assumed or established cause and the foreseeable development of the nuclear accident relevant to the transboundary release of the radioactive materials;

d) the general characteristics of the radioactive release, including, as far as is practicable and appropriate, the nature, probable physical and chemical form and the quantity, composition and effective height of the radioactive release;

e) information on current and forecast meteorological and hydrological conditions, necessary for forecasting the transboundary release of the radioactive materials;

f) the results of environmental monitoring relevant to the transboundary release of the radioactive materials;

g) the off-site protective measures taken or planned;

h) the predicted behaviour over time of the radioactive release.

2. Such information shall be supplemented at appropriate intervals by further relevant information on the development of the emergency situation, including its foreseeable or actual termination.

3. Information received pursuant to subparagraph (b) of article 2 may be used without restriction, except when such information is provided in confidence by the notifying State Party. 

Die in Artikel 5 inhaltlich spezifizierte Informationspflicht nach Artikel 2 ist an das Ereignis „nuklearen Unfalls“, wie er in Artikel 1 definiert ist, geknüpft, besteht also nur dann, wenn ein solches Ereignis vorliegt.

Dass Artikel 1 von einem event of an accident und nicht einfach von einem accident oder aber von in case of an accident spricht, betont das sich fortentwickelnde Moment, das einem Nuklearunfall typischerweise innewohnt!

Der Vertragsfall „nuclear accident“ liegt also nicht erst vor, wenn Radioaktivität tatsächlich ausgetreten ist, oder die ausgetretene aufgrund eines tatsächlich bereits eingetretenen Wetterumschwunges eine andere Richtung nimmt, sondern bereits dann, wenn die Natur eines Unfalles derart gelagert ist, dass für den Fall, dass Rettungsmaßnahmen sich als unmöglich erweisen, oder mögliche scheitern sollten, und sich die Wetterbedingungen entsprechend ändern, mit Austritt und Richtung eventuell zu rechnen ist.

Japan hat die genannte Konvention unterzeichnet und ratifiziert.

[2004]

Dass Japan – wie vielseits kolportiert – nur dürftig Informationen liefert, kann nur die alternativen Gründe haben, dass der GAU gar nicht eingetreten bzw. nicht, auch nicht eventuell, zu erwarten ist, oder aber, dass, was ich am meisten erwarte, mittels künstlicher Beeinflussung der Wetterentwicklung dafür gesorgt wird, dass die austretende (allein konventionsrelevant: das Ausland bedrohende) Radioaktivität ausschließlich auf den Pazifik hinaus abgeleitet wird, oder aber, dass absichtlich zusätzliche, „entgegengesetzte“ Radioaktivität freigesetzt wird, die die unabsichtlich austretende neutralisieren soll; und zwar dies alles mit einer Sicherheit an Wahrscheinlichkeit, die der Informationspflicht nach der Konvention jedwede Grundlage nimmt.

Oder aber Japan ist vertragsbrüchig.

[20110314, 1529]

Um das nochmals in aller Deutlichkeit zu betonen: Auch die Passage „that could be of radiological safety significance“ im Artikel 1 Absatz 1 der Konvention ändert nichts daran, dass die Wahrscheinlichkeit des Erfolges von Rettungsmaßnahmen bei einem Ereignis eines nuklearen Unfalls, der nach üblichem Verlauf zur Fremdbeeinträchtigung führen könnte, derart hoch sein muss, um Informationspflicht nicht auszulösen, dass an sich schon durch erstes Inangriffnehmen dieser Maßnahmen der kausale Fortlauf des Disasters unterbrochen werden muss. Sobald sich also abzuzeichnen beginnt, dass Maßnahmen fehl schlagen, nicht wirksam greifen, ist erneut zu informieren; was freilich nichts an der gestern erörterten, sehr weitreichenden Informationspflicht trotz möglicher Rettungsmaßnahmen ändert.

Der Vertragszweck ist klar: Bei einem Unfall mit – nach kausalem Verlauf zu erwartenden – Fremdbeeinträchtigungen soll möglichst früh informiert werden, damit raschestmöglich Maßnahmen zum Schutz im fremden Land ergriffen werden können, vorsichtshalber und präventiv. Mit der Information also zuzuwarten, bis der mögliche worst case tatsächlich eingetreten ist, verstößt gegen die Konvention.

Dass die japanische nationale Gesetzgebung diesem völkerrechtlichen Erfordernis offenbar nicht genügt, ändert nichts an den völkerrechtlichen Verpflichtungen Japans oder, wessen Staates immer Jurisdiktion die Anlagen unterliegen.  

[20110315, 1934]

Heute ging die Meldung um, in unmittelbarer Nähe des Reaktors würden 400 Millisievert (mSv) pro Stunde gemessen worden sein.

Laut bundesdeutscher Verordnung über den Schutz vor Schäden durch ionisierende Strahlen (Strahlenschutzverordnung – StrlSchV), bzw. deren § 5 betragen die in der BRD zulässigen Grenzwerte für Normalbürger 1 mSv und für „beruflich strahlenexponierte Personen“ 20 mSv – jeweils pro Jahr.

Ich bin kein Kernphysiker, doch ist mir die Halbwertszeit ein Begriff, die bei den üblichen Substanzen, wie sie in Reaktoren Verwendung finden, meines Wissens einige Hunderttausend bis mehrere Millionen Jahre betragen. Soweit ich das verstehe, heißt das im Zusammenhang mit der Messgröße mSv/t, dass sie den Wert ausdrückt, der im angenommenen Zeitraum insgesamt an strahlendem Potenzial aufgenommen wurde, wobei – zufolge der nach menschlichen Maßstäben halbe Ewigkeiten betragenden Halbwertszeiten – unerheblich ist, ob eine Dosis am Anfang oder am Ende des Zeitraums absorbiert wurde.

Was man hat, das hat man wohl so gut wie für immer. Außer es verhielte sich so, was ich nicht beurteilen kann, dass man solche radioaktive Substanzen auch wieder ausscheiden kann, in menschlichen Zeiträumen, meine ich, etwa durch die natürliche Darm- und Harnentlehrung, Schwitzen etc.

Ich erwarte mir Aufklärung von Experten, die darum ersucht seien.

Außerdem wüsste ich zu gerne, ob Substanzen, die über dem Pazifik durch Niederschlag ausgewaschen worden sind, etwa durch Verdunstung und über den meteorologischen Wasserkreislauf nicht doch, und sei es auch erst nach Monaten oder Jahren, nach dem ganzen Globus gelangen können.

Wäre letzteres, oder auch eine „Strahlenansteckung“, der Fall, läge die Voraussetzung nach Artikel 1 Absatz 1 der Konvention, wonach es sich um international transboundary release handeln muss, nämlich auch dann vor, wenn die Chose auf den Pazifik hinaus zieht.

Hier sind also die Herren und Damen Meteorologen und Geophysiker – und selbstverständlich vor allem Chemiker – gefragt.

[2307]

Aus dem offiziellen Bericht des CHERNOBYL FORUM, eines Gremiums, das zur nachbereitenden Untersuchung des Super-GAUs von 1986 u. a. von IAEA; WHO, FAO und World Bank Group installiert worden ist, Chernobyl’s Legacy: Health, Environmental and Socio-economic Impacts and Recommendations to the Governments of Belarus, the Russian Federation and Ukraine, 7f, (12,7 MB) zitiere ich wie folgt:

Some of the reactor staff and emergency workers received, on 26 April 1986, high doses of external gamma radiation estimated to vary from 2 to 20 Gy, and as a result 28 of them died within fi rst four months from radiation and thermal burns, and another 19 died over the years up to 2004. The doses received by recovery operation workers, who worked for short period during four years following the accident ranged up to about 500 mSv, with an average of about 100 mSv according to the State Registries of Belarus, Russia, and Ukraine.

[…]

Living organisms are continually exposed to ionizing radiation from natural sources, which include cosmic rays, cosmogenic and terrestrial radionuclides (such as 40K, 238U, 232Th and their progeny including 222Rn (radon)). UNSCEAR has estimated annual natural background doses of humans worldwide to average 2.4 mSv, with a typical range of 1–10 mSv. Lifetime doses due to natural radiation would thus be about 100–700 mSv. Radiation doses to humans may be characterized as low-level if they are comparable to natural background radiation levels of a few mSv per year.

Das heißt, dass der gegenwärtige GAU in Japan die Qualität von Tschernobyl nicht nur bereits erreicht, sondern vielfach überschritten hat, denn wenn dort 500 mSv in 4 Jahren erreicht wurden, und hier 400 in einer STUNDE, dann ist hier im Vergleich zu dort der Teufel los!

[20110316, 1154]

Laut derstandard.at: „Löscheinsatz abgebrochen – Cäsium und Jod im Trinkwasser nachgewiesen – Kaiser Akihito ist ‚tief besorgt‘„, tat Seine Kaiserliche Majestät Akihito kund, die Lage in Fukushima sei „unvorhersehbar“:

Im oben zitierten Artikel 1 der Konvention hat für solche Fälle interpretativ nichts anders Platz, als dass dann, wenn keine Kenntnisse (Erfahrungswerte) über den zu erwartenden weiteren Verlauf der Katastrophe vorliegen bzw. zu erlangen sind, konventionsrelevante releases jedenfalls (als Unbekannte) als möglich einzustufen und sämtliche Informationen über den Unfall, soweit dies noch nicht geschehen ist, konventionskonform zu erteilen sind. Das Gegenteil dessen, wonach das, was nicht bekannt ist, auch keine Informationspflicht auslösen könne, ist als völlig verquer abzulehnen und einem subsumptiven Vertragswillen der Vertragsparteien nicht zu unterstellen.

Im Übrigen habe ich Artikel 3 der Konvention nachzutragen, der da lautet:

Article 3
Other Nuclear Accidents

With a view to minimizing the radiological consequences, States Parties may notify in the event of nuclear accidents other than those specified in article 1.

Diese Bestimmung scheint mir sowohl auf das nationale Informationsbedürfnis bei Unfällen, die keine international transboundary releases nach sich ziehen, als auch auf das internationale solche Bedürfnis bei ebensolchen Unfällen abzuzielen. Außerdem scheint mir aus der fett hervorgehobenen finalen Wendung klar hervorzugehen, dass man über Technologie verfügt, die Folgen eines Super-GAUs zu minimieren, so man nur seine (chemischen) Charakteristika kennt und das „Gegenmittel“ hat.

Zugleich ist zitierter Artikel 3 eine Auslegungshilfe für die Konkretisierung des Inhalts der Informationspflicht im Sinne des Artikels 5: Wenn schon die (freiwillige) Auskunft hinsichtlich nicht unter Artikel 1 zu subsummierender Unfälle „zum Zweck der Minimierung der Folgen der Verstrahlung“ erfolgen soll, dann hat dies argumento a minore ad maius freilich umsomehr für unter Artikel 1 fallende Unfälle zu gelten, sodass daraus folgt, dass unter Artikel 5 der Konvention alles mitzuteilen ist, was solcher Minimierung zuträglich ist: insbesondere industrielle oder gewerbliche Schutzrechte dürfen hierbei somit kein Hindernis bilden, werden vielmehr durch eventuelle Vertraulichkeit im Sinne des Absatzes 3 des oben zitierten Artikels 5 der Konvention geschützt, der im Übrigen auf Artikel 2 litera b) verweist, in dem ausdrücklich die Ausstattung with such available information relevant to minimizing the radiological consequences vorgesehen ist.

In diesem Zusammenhang darf unterstützend auf die Herkunft des Wortes Industrie aus dem Lateinischen verwiesen werden: industria – Fleiß; de industria aliquid facere: etwas mit Bedacht tun; vgl. Carrach, Thesaurus Linguarum Latinae, Vindobonae (1787), 776. Der Bedacht setzt voraus und bedingt, dass dann, wenn etwas schief läuft, Verantwortung dafür zu übernehmen ist. Daraus erfließt die (in der Konvention verankerte) Pflicht, alles zu tun, was den Schaden abwenden kann, der aus der derart breit angelegten Tätigkeit resultiert.

Insbesondere in den Augen womöglich Zehntausender in ihrer Gesundheit oder gar Leben Bedrohter erscheint klar, dass das oben fett hervorgehobene available in litera b) des Artikels 2 der Konvention vor der ohne weiteres zur Verfügung stehenden je nationalen Gesetzgebung auf dem Gebiete der gewerblichen und industriellen Schutzrechte nicht halt machen darf, wozu durch die Konvention sogar eine (namentlich nationale Umsetzungs-)Pflicht besteht. 

Hinzukommt auch, dass den Rechteinhabern dereinst der Krieg zustatten kam, als Grund für eine staatlich finanzierte Forschungs- und Entwicklungstätigkeit, wofür sie nun rückleistungspflichtig sind!

Was nämlich den Verweis auf Artikel 5 in genannter litera b) des Artikels 2 der Konvention angeht, spricht dieser mit Bezug auf die provision with available information relevant to minimizing the radiological consequences von der solchen Informationserteilung (mithin etwa sogar praktisch ausführend!) as specified in article 5. Das heißt, dass die zur Minimierung relevante, zu erteilende Information in Artikel 5 spezifiziert, die Tauglichkeit zur Minimierung also schon in Artikel 5 hineingetragen wird, womit das shall comrpise in Artikel 5 harmoniert, welchem Verbum nach Lucas, Englisch-deutsches und deutsch-englisches Wörterbuch, Bremen/London (1854), 387, die Bedeutung von in sich fassen, in sich begreifen, enthalten, einschließen, zukommt, was alles keine Ausschließlichkeit des Inhalts besagt, sodass neben dem in Artikel 5 ausdrücklich Genannten auch all das von der Informationspflicht umfasst bleibt, was zur geannten Minimierung erforderlich ist.

mie shinohara

(Ad salvatores in Fukushima: Absit gloriari nisi in cruce Domini.)

4 Kommentare zu „Convention on Early Notification of a Nuclear Accident

  1. oder aber, dass absichtlich zusätzliche, „entgegengesetzte“ Radioaktivität freigesetzt wird,

    Was soll denn das heissen???

    1. Das sollte nichts weiter sein, als ein Wunsch, dessen Vater die fundierte Vermutung (wenn nicht Überzeugung) ist, dass die (militärisch geheim gehaltene) Forschung und Entwicklung der Technologie auf dem Gebiet der Kernphysik, mithin in der Beherrschung der Ananke (der Naturgewalten) um Lichtjahre dem voraus ist, was der Öffentlichkeit erzählt wird.

      Lesen Sie, bitte, meinen Eintrag unten, http://ahlambauer.wordpress.com/2009/12/12/menschenrechte-verbesserungsschriftsatz-vom-17-1-2007-teil-vii/ – Suchstichwort: Zahnarzttermin.

  2. wtf!!??
    Endlich EINER der es ausspricht, und mit Fakten und Argumenten beweist!!
    Ich bin ja bei weitem nicht so gebildet, aber ich hab einiges gesehen und erlebt. Nach drei Jahren als Angestellter einer renommierten österreichischen Firma in Afghanistan, desen Namen ich hier nicht nennen möchte, verliere ich einfach den Glauben über jenes was mir berichtet wird!

    „mittels künstlicher Beeinflussung der Wetterentwicklung dafür gesorgt wird“: find ich geil! Aus dem Grund, da bis heute jeder Staat der in diese Richtung Forschung betrieben hat, einen „Erfolg“ bzw. „Beteiligung“ vehement bestreitet.

    Daumen hoch, werd Ihre Seite weiter empfehlen!!!!!!!!!!

    Bildung braucht der Mensch um endlich aufzuwachen!!!

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