Die Goldene Bulle von Haguenau (1193)

Im Folgenden findet der geschätzte Leser meine Übersetzung aus dem Lateinischen – dieses zu finden bei Dumont, Corps universel diplomatique du Droit des Gens, Tome I/1, Den Haag/Amsterdam (1726), 118 – der Goldenen Bulle, verabschiedet am Reichstag zu Haguenau (Elsass), den 17. Februar 1193, ummantelnd eine Einigung zwischen Heinrich VI., Kaiser des Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation, und Richard I., genannt Löwenherz, König von England, seinem Gefangenen, mit der Letzterer jenem 100.000 Mark Silber als Lösegeld gibt: so in etwa der Titel bei Dumont.

Die Übersetzung werde ich kontinuierlich vornehmen, ebenso die Bereitstellung hier, verbunden mit als Download hinterlegten Anmerkungen.

HEINRICH, von Gottes Gnaden Kaiser der Römer und stets erhaben: Heil und guten Willen den ihm teuren Erzbischöfen, Bischöfen, Grafen, Baronen, Adligen und allen in England Angesiedelten, an die das vorliegende Geschriebene gelangt sein wird!

Wir haben als würdig und unserer Erhabenheit rühmlich zu Recht erkannt, wenn wir Eure Gesamtheit in allen Maßen, zu denen Ihr imstande seid, sorgfältig in die nötigen Ausführungen einführen, die zur Ehre unseres liebsten erleuchtetsten Königs, RICHARD, Eures Herrn, geschuldet werden sollen, damit die Festigkeit Eurer Ergebenheit und der Verdienst der Treue nicht um seiner selbst Bequemlichkeiten herum zum Vorschein komme, sondern in seinem und in seines Reichs Gehorsam leben gesehen werde. [20110308, 1615] Besonnen werden wir all jenen, deren vorgenannte Ergebenheit dem abwesenden König gegenüber sich als echt und vorbehaltslos erwiesen haben wird, ergiebige Danksagungen entbieten, während wir wollen, dass zur Kenntnis Eurer Allgemeinheit gelange, dass die kaiserliche Erhabenheit mit der königlichen Vortrefflichkeit in Eintracht und zweckmäßigem Frieden zusammensteht. [20110309, 1028] Woher was immer für Abgeneigtheiten ihm selbst auferlegt worden sein werden: Sie werden uns in gleicher Weise Verdruß und Beschwerlichkeit mit ihm erzeugen. Deshalb werden wir zur Ehre und zum Erfolg seiner Getreuen und Zuverlässigen sowie zur Verurteilung und Vertreibung seiner Anstifter stets wirksame Mühe aufbringen, und weil wir in Seele und Geist vereint sind, werden wir die Taten Eures Königs, insbesondere die unsrigen und die auf unseren Befehl hin genau berechnen und dessen uns und der Reichskrone verursachte Beschwerlichkeiten abschätzen, nicht jedoch diejenigen, die wir mit Beipflichtung Gottes  und ohne Bestrafung jener, die sie werden verursacht haben, als schwerwiegenden Fehler und durch Entkräftung übergehen werden. Geschehen bei Haguenau an den dreizehnten Kalenden des März.

Fassung der Einigung zwischen dem Kaiser, HEINRICH VI., und RICHARD I., König von England.

Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, Amen.

[1828] Dies ist die Fassung des Vergleichs zwischen dem Herrn Kaiser, stets erhaben, und dem Herrn RICHARD, dem vornehmen König von England. Der Herr Kaiser wird seine Boten mit den Boten des Herrn Königs entsenden, die sich nach London begeben und dort 100.000 Mark reinen Silbers zu Kölnischem Gewicht in Besitz nehmen werden. Welches Vermögen, nachdem es von den Boten des Kaisers angenommen und gewogen worden sein, in Anwesenheit der Boten des Herrn versiegelt und unter dem Geleit des Königs über die Grenzen seines Reichs hinweg geführt werden wird, derart dass, wenn sich ereignen sollte, dass es in seinem Reich verloren wird, es auf die Gefahr des Königs verloren wird. [20110310, 1757Nachdem das genannte Vermögen tatsächlich in die Grenzen des Imperiums gelangt sein wird, wird es von den Boten des Königs den Boten des Herrn Kaisers dargereicht werden, die es dort sogleich in Besitz nehmen werden; und wenn sich zufällig zugetragen haben wird, dass es auf der Seite des Imperiums verloren worden ist, wird es auf die Gefahr des Kaisers verloren werden, und der König wird daran nicht gebunden sein, und auch nicht seine Bürgen.

Im Übrigen wird der König dem Kaiser, und dem Herzog von Österreich auch 50.000 Mark Silber geben und dafür Bürgen bestellen, nämlich dem Herrn Kaiser für 30.000 Mark 60 Bürgen und in der Tat dem Herzog von Österreich sieben Bürgen für 20.000 Mark.

[20110311, 1137Wenn also die 100.000 Mark bezahlt und die Bürgen bestellt worden sein werden, wird der König frei entschwinden.

Wenn aber der Herr König das Versprechen erfüllt haben wird, das er ehemals in Betreff des Herrn Kaisers Heinrich gegenüber ([oder] mit) dem Herzog von Sachsen gemacht hatte, wird der Kaiser von den 50.000 Mark, wenn er den befreiten und entbundenen König entlässt, im Namen dieses Königs selbst dem Herzog von Österreich 20.000 Mark zahlen, und der König wird nicht gehalten sein, dem Herzog von Österreich sieben Bürgen zu geben, noch dem Kaiser sechzig.

[20110312, 1043Wenn der König also das vorgenannte Versprechen in Betreff Heinrichs gegenüber ([oder] mit) dem Herzog von Sachsen dereinst erfüllt und 100.000 Mark bezahlt haben wird, wird er frei von dannen ziehen. [20110313, 1515Ferner brachte der König zustande, bei seiner Seele zu schwören, dass er seine Nichte, die Tochter des Grafen von Bretagne (Brittany) [Earl of Richmond] binnen sieben Monaten, nachdem er freigelassen worden und in sein Land zurückgekommen sein wird, dem Sohn des Herzogs von Österreich zur Heirat anvertrauen und sie bis zum Eintritt in das Imperium hinüberschicken werde, falls sie sie annehmen und nicht wollen sollten, dass er befreit worden sein wird.

Auch, wenn das Versprechen gegenüber dem Herzog von Sachsen in Betreff Heinrichs nicht erfüllt worden sein wird, werden die 50.000 Mark, die rückständig seien, binnen sieben Monaten bezahlt werden, nachdem der König in sein Land zurückgekommen sein wird.

Wenn aber der König befreit worden sein und zurückkehren wollen wird, wird der Kaiser ihm durch sein Land bis an die Grenzen seines Imperiums und in jenem Hafen Geleit geben, wo er in See stechen wird, wie lange er dort zu stehen gekommen, bis dass er mit erwünschtem Wind entschwunden sein wird.

Fernerhin wird jeder von beiden all das, was so sehr in diesem, als in anderen vertraulichen, mit den Siegeln des Kaisers und des Königs besiegelten Schriften über die Verträge, die zwischen ihnen errichtet worden sind, [enthalten ist,] für seinen Teil als Rechtsgültiges und Standhaftes festhalten und in gutem Glauben beobachten.

Finis.

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