Zur sexuellen Ausbeutung von Kindern: aus Sicht beider Seiten, die dann eins sind. Teil II.

 

 

[Fortsetzung von: Zur sexuellen Ausbeutung von Kindern: aus Sicht beider Seiten, die dann eins sind. Teil I.]

 

 

Wäre die Gesellschaft, die Öffentlichkeit, oder wie immer man das corps social nennen will, seelisch gesund, würde eine öffentliche Untersuchung der Vorfälle weder Nutzen bringender noch wahrscheinlicher sein, als es jetzt der Fall ist. Denn dann würde man die Intimsphäre der unmittelbaren Opfer viel ernster und integritätswürdig nehmen, sodass derlei lautes Geschrei, wie es jetzt von überall her ertönt, gar nicht existieren würde.

Der weit überwiegende Großteil jener, die sich jetzt des Themas annehmen, lenkt damit nur von seinem eigenen betroffen Sein ab.

Was also sehr wohl parallel mit dem Antisemitismus geht, ist in der Tat eine Verallgemeinerung sowohl auf der Tat- als auch auf der Opferseite: Leute, die – möchte man meinen – gar nichts mit der Sache zu tun haben, lehnen sich wegen der Vorfälle gegen die Kirche als solche auf und zeichnen ein Bild von ihr, das allgemeines Verbrechen an der Gesellschaft darstellt.

In meinen Augen Tatsache ist, dass nicht nur, aber vor allem die sexuelle Gewalt, und vor allem gegen Kinder, in unseren Gesellschaften derart verbreitet ist, dass in der Tat nicht nur unfair, sondern regelrecht gefährlich ist, jetzt nur gegen die Kirche zu wettern. Gefährlich deshalb, weil dabei jedes einzelne Opferschicksal instrumentalisiert und dadurch wiederholt werden kann. Nützt es dem Opfer, das innerhalb der Familie als Kind sexueller Gewalt ausgesetzt war, wenn jetzt wegen solcher Taten gegen die Kirche öffentlich gewettert wird? Oder führt das vielleicht dort, wo jenes Kind als familiär vorbelastetes Opfer von einem pädophilen Geistlichen als solches erkannt und erneut ausgebeutet wurde, dazu, dass die noch weit mehr traumatisierenden, weil zeitlich tiefer sitzenden Geschehnisse in der Familie noch mehr zugeschüttet, bzw. erst gar nicht ausgegraben werden können?

Ich selbst wurde im Alter von viereinhalb Jahren Opfer eines sexuellen Gewaltangriffs, der strafgerichtlich abgehandelt wurde, jedoch mit einem Freispruch mangels Beweisen endete. Der Missetäter stammte aus meiner erweiterten Familie und verblieb zufolge des Freispruchs dort. Jahre später begann der Bauer, bei dem mein Bruder und ich wöchentlich abwechselnd die Milch holen mussten, im Stall plötzlich neben mir zu onanieren. Ich erzählte davon zwar meinem Bruder, der mir gestand, bei ihm sei es auch so, doch meinen Eltern erzählte ich nichts mehr. Wäre die Geschichte von früher anders verlaufen, hätte ich das Vertrauen in meine Eltern nicht verlieren müssen, denen fortan die Hände gebunden waren, und die daher von der Sache möglichst nichts mehr zu hören gewollt hatten. Viele Jahre lang, auch noch, als ich längst keine Milch mehr holte, hegte ich ziemlichen Hass gegen diesen Bauer, obwohl seine Handlungen an sich zwar exhibitionistisch und daher freilich ein Eingriff in meine Integrität darstellten, doch aber einen minderer Schwere. Die frühere Tat kam erst noch viel später wieder hervor.

Diese Geschichte mag aufzeigen, welches Problem ich zu erkennen meine. Man – und damit meine ich jene, die jetzt öffentlich wirksam in die Hetze gegen die Kirche einstimmen, dabei selbst aber gar nicht Opfer eines Priesters sind – läuft Gefahr, durch diese Schelte der Kirche eines eigene tiefer sitzende Betroffenheit zu vertuschen.

Nochmals: All diese jetzt hervorkommenden Taten wären niemals so lange verschwiegen geblieben, wenn die Opfer nicht schon vorbelastet gewesen wären. Mit anderen Worten: Ich behaupte, dass in jedem dieser Fälle der Priester nicht der erste gewesen sein wird, der in die Integrität des Opfers eingegriffen hat.

Mir geht es nicht darum, die Kirche in Schutz zu nehmen: diese hat genug der Verantwortung zu tragen, aus ihren Versäumnissen und Laisser-fair-Versteifungen. Worum es mir geht, ist die Sache an der Wurzel zu packen, und die liegt klar in der Familie, im Eltern-Kind-Verhältnis, und nirgend wo sonst.

Es mag zwar gut sein, dass die Kirche ihrerseits erst recht wieder einiges an Verantwortung für die Ausprägung dieses zuvor genannten  Verhältnisses trägt, doch kann niemand leugnen, dass in den häuslichen vier Wänden kein Geistlicher gegenwärtig ist, der darüber wachte, wenn kirchliche Lehren in Sachen Kindererziehung aus Zeiten Schwarzer Pädagogik nicht eingehalten würden.

Wofür wir, als Gesellschaft – freilich nicht als spezifisch betroffenes unmittelbares Opfer – nachgerade dankbar sein sollten, ist die jetzt aufgebrochene und aufbrechende, eitrige Wunde, die es uns ermöglicht, kollektiv über die Problematik und das Phänomen der (sexuellen) Gewalt gegen unsere Kinder nachzudenken, und die Lehren daraus zu ziehen; einer Gewalt, die absurder und perverser nicht sein könnte.

Und wenn dabei nebenbei auch noch ein Vorteil für die Einreißung der Mauer rund um den Schmerz und die Vergeltung des Holocaust abfällt, dann sollte das nur billig sein: Was liegt denn in dieser Entrüstung, die ob des Paters Cantalamessa Predigt hervorbrach? Man will den Anspruch auf Opfersein, auf leiden Dürfen und auf Sonderbehandlung ob des Opferseins sichern. Man schreit gleichsam: Wir (als Kollektiv) allein, und zwar grundlos, wurden kollektiv zum Opfer einer Kollektive! Und niemand soll uns die Stellung, die wir gegenüber der deshalb zu verlangenden Busse einnehmen, streitig machen!

Der Volkszorn bricht sich Bahn, jetzt gegen die Kirche. Ob er allein aufgrund, in die Verantwortung der Kirche fallender Ursachen entstanden ist, bezweifle ich. Wut und Zorn ist nur dann nachhaltig Schmerz lindernd und heilend, wenn er (sie) sich gegen die wahren Urheber ihrer selbst richtet! Ist dies nicht der Fall, geschieht regelmäßig neues Unrecht.

Wenn wir von einem Einbruch ins Haus unseres Nachbarn hören und sogar den Dieb kennen, dann wird unsere Emotion, die wir darüber verspüren, niemals so lebhaft sein, als sie dies wäre, wenn in unser eigenes Haus eingebrochen worden wäre.

Das einzige, oder doch eines der einzigen Verbrechen, bei denen wir uns selbst empören, obwohl es uns gar nicht, sondern einen andern betrifft, ist die sexuelle Gewalt gegen Kinder.

Wir sollten darüber nachdenken, ob wir hier nicht Emotion aufgrund eigener Betroffenheit mit der über das Übel, welches einem andern widerfahren ist, verwechseln.

Dass viele unter uns in solchem Fall sich selbst empören, mag auch damit zusammenhängen, das wir insgeheim wissen, welche furchtbaren Folgen dieses Verbrechen an Kindern auf unsere Gesellschaft als solche hat. Doch ist nicht gerade diese Einsicht der beste Beweis für den Wiederholungszwang? Und sollte nicht die Einsicht in diesen uns dazu veranlassen, die Sache mit ganz anderen Waffen anzugehen, nämlich mit Besonnenheit und dem beiseite Lassen jedweder Emotion, die nur die Wahrheit auf das Ursache-Wirkung-Verhältnis verstellt? Und sollte die Tatsache, dass uns dies trotz dieser Einsicht schwer fällt, uns nicht Anlass genug sein, in uns zu gehen und in unserer internalisierten Erinnerung nach eigenem Opfersein zu forschen, anstatt selbst dem Wiederholungszwang in der Facette des heftigen Zorns wider fremde Täter anheimzufallen und dabei möglicherweise die Interessen des wahren unmittelbaren Opfers zu leugnen?

 

20100405, 1830

Nachfolgend eine E-Mail aus dem Jahre 2008 zum altgermanischen Thing sowie vermuteten Verbindungen desselben zum Heiligen Stuhl.

 

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Anschließend…

Samstag, 3. Mai, 2008 14:20 Uhr

Von: "Arthur Lambauer" <[…]>

An: […]

…an mein Telefonat von gestern Abend, da ich unter Bezugnahme auf die Unterbrechung "von Rechts wegen" von einberufenen Bischofssynoden bei Vakanz des hl. Stuhles bzw. auf "die Sachen" des Papstes in diesem Zusammenhang (je nach Codex juris Canonici, 344 bzw. 347) mutmaßte, dass diese "Sache" das alte germanische Thing meinen könnte, in praxi wenigstens; sowie an mein heutiges Telefonat, wonach dies in direktem Zusammenhang mit einem Brief des Iranischen Vertreters bei den UN (siehe Bericht bei irna.ir von vor ein paar Tagen) an den SC-Präsidenten und den SG zu sehen sei, aus dem (dort) ein an sich üblicher Standardsatz zitiert war, der insofern vom Standard abwich, als er beides postulierte: die Zirkulation und die Kenntnisbringung an die SC-Mitglieder, zu sehen sei, was auf die Moskauer Deklarationen anspiele, wonach, wenn es um Deutschland geht, man nicht auf die UN angewiesen sei, was wiederum in Verbindung mit insbesondere dem Konzil zu Karthago deutlich darauf hinweise, dass der Holocaust vor 2000 Jahren geplant wurde;

habe ich also zu ergänzen, dass Artikel 106 UN-Charta eine Anwendung der entsprechenden Klausel des Friedens von Münster (1648) durch den SC der UN, wonach eine übergeordnete Vereinbarung den Frieden zwischen Frankreich und Deutschland brechen könne, nicht ausschließt, sondern lediglich bestätigt, dass nunmehr eine Instanz zwischen geschaltet ist, nämlich die der Parteien von Moskau, wobei darauf hinzuweisen ist, dass Frankreich seitjeher unter dem Titel der “Alliierten" eine Sonderstellung einnimmt.

Das Sonderkonzil von Arles, im Übrigen, belegt die Raiffeisen’sche Kopfstandpartie, die die Bischöfe systemwidrig nicht zu Botschaftern des Stuhles macht, was bloß den Zweck haben kann, die zwischen diesen, die weltlichen Höfe und den wahren Geist zu schalten, der in den Verliesen gefangen gehalten und ausgebeutet wird.

Das bei Robinet [Jean-Baptiste-René, Dictionnaire universel des sciences morale, économique, politique et diplomatique, ou bibliothèque de l’Homme-d’Etat et du Citoyen. Tome Treizième, Londres (MDCCLXXX) 352ff] zitierte Einladungsschreiben Konstantins spricht über die Spaltung Bände.

Man hat also sowohl der inhaltsleeren Machtstellung des Papstes als auch jener der Prinzen über die kirchlichen Konzile jene des altgermanischen Things entgegengestellt und damit zugleich eine Verbindung zu Afrika und den Urchristen widerhergestellt bzw. aufrecht erhalten.

A.

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20100412, 2125

Im Folgenden gebe ich eine Übersetzung des wesentlichen Textes aus dem Brief vom 6. November 1985, von (damals) Joseph Kardinal Ratzinger im Namen der Glaubenskongregation an den Bischof von Oakland, wie er von der online NYT unter The Document Trail: The Rev. Stephen Kiesle (page 15) (die gesamte Korrespondenz im Folgenden zitiert als NYT, page XX) ins Netz gestellt wurde:

Nachdem ich Deinen Brief vom 13. September dieses Jahres betreffend die Angelegenheit der Dispensierung von allen priesterlichen Bürden, die Pater Stephen Miller Kiesle aus jener Diözese angehen, erhalten habe, ist meine Aufgabe, Dir das Folgende mitzuteilen.

Wenn diese Kongregation die für die Dispensierung in diesem angezogenen Fall angeführten Gründe auch als von gewichtiger Bedeutung würdigt, hält sie es aber dennoch für nötig, zusammen mit dem des Bittstellers auch das Wohl der Weltkirche in Betracht zu ziehen, und kann daher nicht die Einbußen schmälern, welche die Bewilligung der Dispensierung in der Gemeinschaft der Christenheit, zumal wenn man das jugendliche Alter des Bittstellers beachtet, hervorrufen kann.

Demgemäß ist nötig, dass diese Kongregation den Fall derartig einer angemesseneren Untersuchung unterzieht, was einen längeren Zeitraum erforderlich macht.

Unterdessen wird Deine Exzellenz nicht aufhören, den Bittsteller mit väterlicher Sorge, die Einfluss hat, zu begleiten, während demselben von oben her die Vernunft des Handelns dieser Kongregation geeignet offenbart werde, die, das Gemeinwohl vor allervordersten Augen, vorzugehen pflegt.

Wie man sieht, hat die sensationsgeile Presse Wesentliches erneut nicht gebracht.

Diesem Brief des Kardinals Ratzinger ging umfangreiche Korrespondenz zwischen der Glaubenskongregation und der Diözese Oakland voraus, an der er nicht beteiligt war. Es ist hier nötig, diese auch zu berücksichtigen, um den oben übersetzten Brief Ratzingers umfassend verstehen zu können. Dies wird an dieser Stelle in Kürze erfolgen. Vorausschicken kann ich, dass die niederträchtige Hetze in diversen Medien gänzlich zu Unrecht vermeint, an diesen Briefen ein großes Fressen gefunden zu haben, zumal die Glaubenskongregation äußerst hell- und umsichtig vorging, sich aber freilich auch darauf verlassen musste, dass die Ordinarien vor Ort der Gewissenhaftigkeit fähig sind, um der womöglich nötigen Prävention Vorschub zu leisten.

 

20100413, 1229

În einem gleichfalls im Lateinischen gehaltenen Schreiben vom 17. November 1981 fordert die Glaubenskongregation als erste Reaktion auf die Befassung mit dem Fall weitere Informationen vom Bischof von Oakland. Ich übersetze daraus, wie folgt:

1. Es mögen die Oberen der Ausbildungszeit [des Bittstellers] angehört, oder deren schriftliche Niederlegungen nachgefragt werden, bezüglich der vom Bittsteller zu übernehmenden Verantwortung und Tauglichkeit für die Heilige Ordination;

2. es mögen Unterlagen übermittelt werden, welche in der Seminarsregistratur zur Annäherung des Bittstellers an den Heiligen Stand aufbewahrt sind;

3. es möge die Eidesbescheinigung beigebracht werden, was die Befragung des Bittstellers betrifft.

Deine Exzellenz wird unter einem nicht verweigern, ein Gelübte zu übermitteln, sich vor dem Ärgernis nicht zu fürchten.

Daraus (Punkt 3.) ergibt sich, dass die Glaubenskongregation aus den bis dahin übermittelten Sachverhaltsdarstellungen Zweifel daran ableitete, dass das Dispensierungsgesuch dem wahren Willen des Bittstellers entspricht.

Aus dem Votum Episcopi vom 19.6.1981 (NYT, page 5) ergibt sich, dass der Bittsteller schon als Jugendlicher in die kirchlichen Priesterausbildungsstätten eintrat. Die Kongregation erachtete diesen Umstand offenbar als aufklärungsbedürftig, zumal die Mitverantwortung der Kirche für die Entwicklung des Bittstellers deshalb auf der Hand lag. Mit einer vorschnellen Bewilligung der Dispensierung wäre der Weg zur Aufklärung dieser Missstände abgeschnitten, oder doch zumindest erschwert worden.

Dass die Glaubenskongregation außerdem (immer noch) die Tauglichkeit des Bittstellers für das Priesteramt interessierte, weist neben dem zuvor Gesagten darauf hin, dass sie Menschen weiterhin als Menschen betrachtet, auch wenn diese sich schwerwiegender Verfehlungen schuldig gemacht haben. Die jetzt losgebrochene Hetze scheint demgegenüber solche Menschen nur mehr durch die Brille der Verfehlung und nicht mehr als ganzheitliches Wesen zu sehen.

Aus dem ersten Schreiben des Gemeindepfarrers Dabovich vom 25. April 1981 (NYT, page 1) ergibt sich, dass der Bittsteller eine ausgesprochen dominante Mutter hatte, die sozial in der Gemeinde sehr engagiert war.

Durch eine vorschnelle Dispensierung wäre der Bittsteller außerdem aus der Obhut der Kirche entlassen worden, sodass diese keine Handhabe mehr über ihn gehabt hätte, was mit einiger Verantwortungslosigkeit verbunden gewesen wäre.

Insbesondere angesichts des von Kardinal Ratzinger ausgesprochenen Gebots, den Bittsteller weiterhin unter wirksame Sorge zu nehmen, konnte er auch davon ausgehen, dass weitere Verfehlungen hintangehalten werden; oder aber im entgegengesetzten Falle durch weitere Taten eine viel größere, systematische Unzulänglichkeit in der Diözese hervorgekommen wäre.

Insgesamt hatte die Glaubenskongregation unter Kardinal Ratzinger somit in der Tat das Allgemeinwohl (und letztlich auch das Wohl des Bittstellers) vor Augen, wozu sie nach bis 1982 geltendem Kirchenrecht auch verpflichtet war, zumal erst seit dem Inkrafttreten des Codex Iuris Canonici (CIC) 1983 die sexuelle Verfehlung von Priestern gegenüber Minderjährigen ein Grund für den Ausschluss aus dem Klerus darstellt (wie auch die Süddeutsche vom 12.4.2010 unter Mühlstein am Hals der Kirche berichtet, was allerdings noch weiterer Überprüfung bedarf).

Der CIC 1917 sah in can. 2359 § 2 in der Tat vor, dass "suspendiert, als infam erklärt, jeden Amtes, jedes Benefiziums, jeder Dignität und überhaupt jeder Anstellung enthoben und in schweren Fällen mit Deposition bestraft werden" soll, wer sich als Kleriker u. a. eines Vergehens gegen das Sechste Gebot (Verbot des Ehebruchs) mit einem Minderjährigen unter 16 Jahren schuldig gemacht hat.

Der CIC 1983 sieht dazu nur mehr wie folgt vor:

Can. 1395 — § 1. Ein Kleriker, der, außer dem in can. 1394 erwähnten Fall, in einem eheähnlichen Verhältnis lebt, sowie ein Kleriker, der in einer anderen äußeren Sünde gegen das sechste Gebot des Dekalogs verharrt und dadurch Ärgernis erregt, sollen mit der Suspension bestraft werden, der stufenweise andere Strafen bis zur Entlassung aus dem Klerikerstand hinzugefügt werden können, wenn die Straftat trotz Verwarnung andauert.

§ 2. Ein Kleriker, der sich auf andere Weise gegen das sechste Gebot des Dekalogs verfehlt hat, soll, wenn nämlich er die Straftat mit Gewalt, durch Drohungen, öffentlich oder an einem Minderjährigen unter sechzehn Jahren begangen hat, mit gerechten Strafen belegt werden, gegebenenfalls die Entlassung aus dem Klerikerstand nicht ausgenommen.

 

1857

Die Frage ist jetzt nämlich, was unter “auf andere Weise gegen das sechste Gebot verfehlt” bedeutet: bereits jedwede sexuelle Handlung, oder bloß der Beischlaf?! Zumal im sechsten Gebot die Rede von Ehebruch ist, und anzunehmen ist, dass die Katholische Kirche keine weniger rigorosen Begrifflichkeiten pflegt, als dies die zivilen Gerichte etwa in Ehescheidungssachen tun, liegt nahe, dass darunter nur der Geschlechtsverkehr (oder neuerdings auch eine diesem ähnliche, gleichwertige sexuelle Handlung) zu verstehen ist. Zu beachten ist dabei hingegen, dass die analoge Bestimmung des CIC 1917 wie folgt lautete:

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Man sehe dabei vor allem den § 2:  Dieser spricht – beachtet man den Beistrich vor dem Wort vel – von dem Vergehen gegen das sechste Gebot alternativ: mit einem Minderjährigen einerseits oder als Ehebruch (adulterium) andererseits. Unter dem Ehebruch ist klar der Bruch einer andern Ehe, also der Beischlaf mit einer verheirateten Frau gemeint. Inwiefern nun gegen das sechste Gebot mit einem Minderjährigen, der nicht verheiratet ist überhaupt verstoßen werden könne, nämlich ohne mit ihm im Konkubinat zu leben (§ 1), bleibt nur vorerst offen, denn mit der Schändung (stuprum) wird alles Sexuelle erfasst, was nicht Beischlaf ist, und zwar begangen mit Volljährigen oder Minderjährigen (beiderlei Geschlechts), sodass die getrennte Nennung des Ehebruchs mit Minderjährigen nur die besondere Verwerflichkeit der Tat zum Ausdruck bringen soll, während der coitus mit einer unter vierzehnjährigen Minderjährigen (die nach can. 1083 § 1 nicht verheiratet sein kann) offenbar unter das stuprum fällt. – Oder:

Ist also mit dem Vergehen mit einem (unverheirateten) Minderjährigen nur der Beischlaf gemeint, der die Ehe (das eheähnliche Verhältnis) des Priesters, oder des Minderjährigen, mit Gott bricht?

Wie auch immer, für den geltenden CIC 1983 gilt jedenfalls, dass hier offenbar strengere Maßstäbe an den Begriff des Ehebruchs gelegt werden, als dies von den zivilen Gerichten getan wird, die darunter nur den coitus verstehen. Die Alternative wäre lediglich die, dass alles, was nicht Beischlaf ist, nach heute geltendem Kanonischen Recht gar nicht strafbar ist.

 

 

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