Vom Westfälischen Frieden und vom Luftkrieg

 

 

 

Am 4.12.2009 setzte ich eine E-Mail des folgenden [<<<…>>>] Inhalts ab:

 

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Der Westfälische Friede von 1648 ist wahrscheinlich das erste Friedensvertragswerk der Neuzeit von globaler Bedeutung. Andernorts habe ich bereits wesentliche Bestimmungen aus dem (Teil-)Vertrag von Münster (Deutsches Reich-Frankreich [siehe diesen bei Henri Vast, Les grands traités du règne de Louis XIV, (Paris 1893), S. 12]) zitiert, die identisch auch im (Teil-)Vertrag von Osnabrück (Deutsches Reich-Schweden) aufscheinen und etwa den Friedensschluss als solchen sowie den amikalen Austausch von wissenschaftlichen und forschungstechnischen Fortschritten betreffen.

In diesen Friedensbestimmungen ist ganz allgemein die Rede von immerwährendem Frieden, der herrschen soll. Es wird nicht differenziert zwischen Frieden zu Land zur See etc. Erst die später folgenden Friedenswerken, die etwa die Napoleonischen Koalitionskriege beendet haben, oder auch der aus derselben Zeit (Ende des 18. Jahrhunderts) stammende [Vor-]Friede von Paris (Großbritannien-USA, 1782) kennen eine solche Aufspaltung und besagen je sinngemäß Friedensschlüsse (lediglich) zu Lande und zur See.

Der Hintergrund ist offensichtlich der, dass 1648 das Fliegen (abgesehen einmal von einem Ikarus) noch nicht bewerkstelligt war, während die Brüder Montgolfier, wenn ich nicht irre, in den 60er oder 70er Jahren des 18. Jahrhunderts mit ihren Heißluftballonen für Furore sorgten.

Grundsätzlich gilt im Völkerrecht freilich, dass vertragliche Verpflichtungen immer auch einem zum Zeitpunkt ihres Abschlusses vorherrschenden Status quo gemäß ausgelegt werden müssen, sofern nicht ausdrücklich etwas anderes vereinbart ist.

Es ließe sich also vordergründig behaupten, der Friede von Westfalen habe erst den Land- und den Seekrieg gekannt, weshalb er sich auch nur auf sie beziehen habe können. Doch eine solche Argumentation übersieht die oben genannte Bestimmung über den amikalen (!) Wissenschafts- und Forschungsaustausch! Es mag zwar sein, dass der Krieg der Vater des technischen Fortschritts lange Zeiten hindurch gewesen ist; doch offensichtlich wollte exakt dies der Westfälische Friede als erster moderner Friedensschluss ein für alle mal beenden, sofern nicht auf "breiterer Ebene" etwas anderes bestimmt würde.

Die genannten Verträge von Amiens, Paris, Lunéville, Leoben (M. de Clercq, Recueil des Traités de la France, Tome I (1718-1802). Paris 1880, p. 319) etc. sind aber auf keiner breiteren Ebene als der Westfälische Friede entstanden: im Gegenteil! Es gibt im Westfälischen Frieden, der zu Osnabrück und zu Münster über 5 Jahre hindurch von einer Kommission der damals führenden Geister der abendländischen Welt ausgetüftelt wurde, viele Anzeichen und Hinweise darauf, dass auch orientalische, ja asiatische Kräfte überhaupt mit am Verhandlungstisch vertreten waren.

Eine noch breitere Ebene könnte erstmals wieder der Kongress von Wien (1815) sowie freilich Versailles und St. Germain (1919) und sodann überhaupt die UNO darstellen, die aber allesamt nicht mehr die zitierte Unterscheidung aufweisen, sondern im Gegenteil vielmehr die allgemeine Abrüstung (wieder) im Auge hatten.

Aus all dem folgt somit, dass auch diese Drohnen in Pakistan und Afghanistan von äußerst zweifelhafter Natur sind! Was können die Taliban dafür, dass sie – mehr oder weniger gezwungen vom Westen! – heute noch weitgehend auf einem technischen Standard des 19. Jahrhunderts leben? Haben sie nicht vielmehr eine heilige Pflicht erfüllt, archaische Werte zu bewahren, um diese mit den neuen, das Ganze austarierend vermengen und wiedervereinigen sich zu lassen?

Es mag daher gut sein, dass sie hier und da Anschauungen vertreten, die unseren westlichen Vorstellungen fremd geworden, ja oft abstrus erscheinen. Doch umgekehrt ist es nicht anders!

Wir müssen einander die Hände reichen und von einander lernen und im so entstehenden Diskurs wechselseitig die Spreu vom Weizen trennen.

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Unlängst, heute ist der 4.1.2010, bin ich auf einen schönen Beleg gestoßen, den anzuführen, mir leichter fällt als jene, sicher im Frieden von Westfalen enthaltenen, den ich erst in Anfängen aus dem Lateinischen übersetzt habe (und nicht in anderwärts vorgenommenen Übersetzungen heranziehen will):

Ich stieß also auf Artikel XXI des Traité général & définitif de Paix, signé le 18 Octobre 1748 à Aix-la-Chapelle [Aachen] (siehe diesen in seinem französischen Originaltext bei Wenck, Codex juris gentium recentissimi, e tabulariorum exemplorumque fide dignorum monumentis compositus. Tomus secundus, Lipsiae [Leipzig] in Libraria Weidmannia, MDCCLXXXVIII [1788], S. 337 [358].), wobei auch dessen Artikel III [aaO., S. 341], so wie wohl alle anderen, sehr interessant ist; Artikel XXI also lautet (“Wolfsjagd in Schweden”):

Toutes les Puissances intéressées au présent Traité, qui ont garanti la Sanction pragmatique du 19 avril 1713, pour tout l’héritage du feu Empereur Charles VI, en faveur de sa fille l’Imperatrice Reine de Hongrie & de Bohème, actuellement régnante, & de ses descendan[t]s à pérpétuité, suivant l’ordre établi par ladite Sanction pragmatique, la renouvellent dans la meilleure forme qu’il est possible; à l’exception cependant des cessions déja faites, soit par ledit Empereur, soit par ladite Princesse, & de celles qui sont stipulées par le présent Traité.

Zu betonen ist hierbei, dass es schon einen Artikel weiter, im Artikel XXII. [359] heißt: “…par toutes les Puissances parties & contractantes du présent Traité”; bzw. noch einen weiter, im Artikel XXIII. [aaO.]: “Toutes les Puissances contractantes & intéressées au présent Traité, en garantissent réciproquement & réspectivement l’exécution.”.

Darin spiegelt sich die Tragweite und der Wirkungsgrad des Vertrags von Aachen sowie aller in dessen Artikel III zitierten Verträge. Und dass in Europa Friede herrsche, daran hatte zu dieser Zeit die ganze (restliche) Welt höchstes Interesse, denn Europa war und ist (vielleicht nicht mehr lange) laboratorium essentiale.

Wenn man den hier zitierten Artikel XXI mit dem ihm nur zum Teil entsprechenden Artikel XIX der Préliminaires de la Paix d’Aix-la-Chapelle, signés le 30 avril 1748 (aaO., S. 310 [314]) abgleicht, erkennt man rasch, wie sehr eine von mir seit Jahren und zu meinem persönlichen Nachteil, dafür umso nachdrücklicher und erfolgreicher eingeforderte Wiederherstellung der Vaterrechte vonnöten ist!

Soviel vorerst zum von mir zuerst schändlicher Weise übersehenen bzw. vielmehr ohne Beachtung gebliebenen Vertrag von Aix-la-Chapelle.

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